Nach nur zwei Jahren an der Macht hat die britische Labour-Regierung einen neuen Premierminister. Andrew Burnham wurde am Montag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt. Der bisherige Bürgermeister von Greater Manchester übernimmt das Amt von Keir Starmer – und steht vor der schwierigen Aufgabe, eine kriselnde Partei und ein angeschlagenes Land wieder auf Kurs zu bringen.
Andrew Burnham ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. König Charles III. ernannte den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Labour Party am Montag offiziell zum Regierungschef. Burnham folgt auf seinen Parteikollegen Keir Starmer, der nach wachsendem Druck aus den eigenen Reihen im Juni seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Hoffnungsträger für Labour
Burnham gilt seit Wochen als neue Hoffnung der Labour-Partei. Zwar hatte Starmer bei der Parlamentswahl im Sommer 2024 einen klaren Wahlsieg eingefahren, die komfortable Mehrheit im Unterhaus jedoch wegen anhaltender parteiinterner Konflikte nie voll ausschöpfen können. In den Umfragen liegt inzwischen seit Monaten die rechtspopulistische Partei Reform UK teilweise deutlich vor Labour.
„Wir waren nicht gut genug“, stellte der neue Premier in seiner ersten Rede unmissverständlich klar:
Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester, der wegen seiner Popularität in der Region den Spitznamen „König des Nordens“ trägt, wurde erst am Freitag ohne Gegenkandidaten zum neuen Labour-Vorsitzenden gewählt. In seiner Antrittsrede bezeichnete er sich als „Mann der Basis“ und kündigte einen klassischen sozialdemokratischen Kurs an. Er will die öffentliche Kontrolle über Wasser, Energieversorgung, Wohnungsbau und öffentliche Verkehrsmittel stärken sowie politische und wirtschaftliche Macht stärker aus London in die Regionen verlagern. Eine Rückkehr Großbritanniens in die Europäische Union schloss auch Burnham aus.
Große Probleme warten
Der neue Premier übernimmt die Regierung in schwierigen Zeiten. Die britische Wirtschaft schwächelt, die internationale Bedeutung des Landes nimmt ab, zugleich belasten soziale Ungleichheit, Wohnungsnot und hohe Energiekosten viele Menschen. Bereits am Montag werden erste Ankündigungen zu Maßnahmen erwartet, die den finanziellen Spielraum der Bevölkerung verbessern sollen.
Erfahrener Politiker
Die Abläufe in Westminster kennt Burnham aus langjähriger Erfahrung. Unter dem damaligen Premierminister Gordon Brown gehörte er in den 2000er-Jahren unter anderem als Gesundheitsminister dem Kabinett an. Bereits 2010 und 2015 hatte er erfolglos versucht, Labour-Chef zu werden. Diesmal erfolgte seine Wahl ohne Gegenkandidaten.
Der Sender BBC bezeichnete Burnham zuletzt als vielschichtige Persönlichkeit und stellte unter anderem die Frage, ob er als „rücksichtsloser Strippenzieher“ gelte. Als Beispiele wurden sowohl der Machtwechsel nach Starmers Rücktritt als auch Berichte genannt, wonach Burnham entgegen dem bisherigen Labour-Kurs neue Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee genehmigen könnte.
Familienmensch und Fußballfan
Privat ist Burnham seit dem Jahr 2000 mit der gebürtigen Niederländerin Marie-France van Heel verheiratet. Das Paar, das sich während der Studienzeit kennenlernte, hat drei Kinder. Seine Verbundenheit zum Fußballklub FC Everton erwähnte Burnham sogar in seiner Antrittsrede als Labour-Chef. Er hoffe, seine Bodenständigkeit auch künftig mit einer Dauerkarte für den Verein unter Beweis stellen zu können.
Aufgewachsen ist Burnham mit zwei Brüdern im Dorf Culcheth zwischen Manchester und Liverpool. Seine Eltern waren beide berufstätig und galten als überzeugte Labour-Anhänger. In einem Interview mit der Zeitung „The Times“ sprach Burnham zuletzt auch über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters, der den politischen Aufstieg seines Sohnes nur noch eingeschränkt miterleben kann.
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