Bei Wiener Linien

Diese Frau moderiert den Massenansturm auf Öffis

Wien
20.07.2026 11:00

Petra Samidits sorgt bei Großevents, wie im Ernst-Happel-Stadion, mit Schmäh und Fingerspitzengefühl für Ordnung bei der An- und Abreise. Wir haben sie getroffen.

„Krone“: Frau Samidits, was ist Ihre Aufgabe bei den Wiener Linien?
Petra Samidits: Ich bin Servicemitarbeiterin. Wir kontrollieren die Stationen innen und außen, auch die Notstiegen, und schauen, ob alles in Ordnung ist. Ich bin im ganzen Netz unterwegs – ich kenne jede Schraube.

Bei Konzerten erleben die Fahrgäste Sie vor allem am Mikrofon. Woher kommt Ihr lockerer Umgang mit den Menschen?
Ich bin in einer kommunikationsfreudigen Großfamilie aufgewachsen. Bei uns gehört das einfach dazu. Mein Papa war schon ein Kasperl, mein Großvater auch. Wir haben viel gelacht. Das habe ich an meine Kinder und meine Enkeltochter weitergegeben.

Kann man Humor lernen?
Wir haben Schulungen und klare Vorschriften, wie etwas ablaufen soll. Aber Humor steht nicht auf dem Lehrplan. Aber ich war schon immer ein Kasperl. Ich bin so auf die Welt gekommen. Bei Events kann man etwas lockerer mit den Fahrgästen sprechen, manchmal auch ins Du kommen und ein bisschen blödeln. Meine Art kommt mir da entgegen.

Sie sagen den Leuten also lieber mit Schmäh, wo es langgeht?
Wie man in den Wald hinein schreit, so kommt es zurück. Auch im normalen Dienst wird mir oft gesagt: So, wie ich es erkläre, ergibt es mehr Sinn. Ein Lächeln bewirkt viel.

Was ist Ihre Aufgabe bei Großevents?
Nach einem Konzert müssen alle Einstiege genutzt werden, die Fahrgäste sollen ins Wageninnere und der Zug muss schnell weiterfahren können. Ich versuche, die Menschen gleichmäßig zu verteilen. Wo ich stehe, ist der Zug meistens am leersten. Dann sage ich etwa: „Hinten schwitzen, vorne sitzen.“

Ist der Abtransport schwieriger als die Anreise?
Der Schluss ist schöner. Da kann ich noch mehr motivieren. Die Menschen sind gut gelaunt und wollen nach Hause. Gleichzeitig bin ich völlig auf die Sicherheit konzentriert: auf den einfahrenden Zug, die gelbe Linie, den Bahnsteig und darauf, dass sich die Menge gut verteilt.

Unterscheiden sich Schlager-, Rock- und Fußballfans?
Man weiß ungefähr, welches Publikum kommt. Bei Iron Maiden kann man vielleicht etwas lockerer reden. Helene Fischer hat ein sehr gemischtes Publikum, auch viele ältere Besucher. Bei einem Fußballspiel kann wiederum ein ganzer Zug hüpfen.

Gab es Situationen, in denen Sie an Ihre Grenzen kamen?
Ich hatte schon aggressive Personen um mich. Oft reichen Kommunikation, Mimik und Gestik. Und wenn Unterstützung nötig ist, bekomme ich sie von der Leitstelle oder von Kollegen.

Was bringt Sie aus der Ruhe?
Meine Kinder. Fahrgäste nicht.

Ohne unverschämt sein zu wollen: Kommt das auch mit der Erfahrung?
Sagen wir so: In meiner Kindheit war die Reichsbrücke noch intakt, der Niki Lauda noch ohne Verbrennungen, und der Elvis Presley hat noch gelebt.

Sie werden erkannt, gefilmt und sogar um Selfies gebeten. Stört Sie das?
Nein. Ich bin in diesem Moment ohnehin damit beschäftigt, dass am Bahnsteig alles passt. Aber ohne meine Kollegen würde es nicht funktionieren. Ich habe nur das Mikrofon – sie arbeiten genauso mit.

Was macht für Sie einen gelungenen Dienst aus?
Wenn die Menschen einen schönen Abend hatten und wir ihnen eine sichere, gut geregelte Heimfahrt ermöglichen konnten. Dann gehe ich nach Hause, streichle meine Katze, höre, dass mein Mann gut schläft, trinke ein Glas Wasser und schalte noch ein paar Minuten den Fernseher ein.

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