Der Hype um den SpaceX-Börsenstart ist vorbei: Nach dem Fehlstart der Starship-Rakete gerät die Aktie weiter unter Druck. Während viele Anleger Verluste verbuchen, profitieren andere vom Kursrutsch. Jene, die auf den Wertverfall gewettet haben, dürfen sich nun als vorübergehende Gewinner fühlen ...
Der Rekordbörsengang des US-amerikanischen Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Unternehmens SpaceX sorgte weltweit für große Aufmerksamkeit. Doch während viele Anleger auf steigende Kurse setzten, haben vor allem Leerverkäufer, sogenannte „Shortseller“ zuletzt profitiert. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters erzielten sie bisher einen geschätzten Gewinn von 8,7 Milliarden US-Dollar. Reuters beruft sich dabei auf Daten des Analysehauses Ortex Technologies.
Auf Englisch „Shortseller“ ist ein Akteur an der Börse, der auf fallende Kurse eines Wertpapiers spekuliert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Anlegern, die Aktien kaufen in der Hoffnung, dass diese im Wert steigen, erzielt ein Shortseller einen Gewinn, wenn der Kurs des Basiswerts sinkt.
Nach dem Börsengang war die SpaceX-Aktie zeitweise auf 225,64 US-Dollar gestiegen. In den folgenden Wochen verlor sie jedoch deutlich an Wert und fiel unter den Ausgabepreis von 135 US-Dollar. Laut Bloomberg hat das Unternehmen dadurch mehr als eine Billion US-Dollar an Börsenwert eingebüßt. Am Freitag schloss die Aktie bei 123,99 US-Dollar – ein Minus von 5,4 Prozent. Die Marktkapitalisierung sank damit auf 1,62 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Am dritten Handelstag Mitte Juni hatte sie noch bei 2,64 Billionen US-Dollar gelegen. Bereits am 15. Juli war der Kurs erstmals unter den Ausgabepreis gefallen.
Fast die Hälfte der Aktien ist verliehen
Bei Leerverkäufen leihen sich Investoren Aktien, verkaufen sie und hoffen, sie später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen. Die Differenz entspricht ihrem Gewinn. Steigt der Kurs stattdessen, können allerdings hohe Verluste entstehen. Wie groß das Interesse an solchen Wetten derzeit ist, zeigen die Daten von Ortex: Rund 49 Prozent der frei handelbaren SpaceX-Aktien sind inzwischen ausgeliehen.
„SpaceX war für die Leerverkäufer eine Achterbahnfahrt, die letztendlich eindeutig zu ihren Gunsten ausging“, sagte Ortex-Mitgründer Peter Hillerberg gegenüber Reuters. Statt Gewinne mitzunehmen, hätten viele Investoren ihre Short-Positionen während des Kursrückgangs sogar weiter ausgebaut.
Fehlstart belastet die Aktie
Als Auslöser für den jüngsten Kursrückgang gilt der abgebrochene Start der Starship-Rakete am Donnerstag. Mehrere Raptor-Triebwerke zündeten nicht. Elon Musk kündigte auf der Plattform X an, zwei Triebwerke auszutauschen. Joe Gilbert, Portfoliomanager bei Integrity Asset Management, sagte gegenüber Bloomberg, viele Anleger würden angesichts der nachlassenden KI-Euphorie und der hohen Unternehmensbewertungen derzeit Risiken abbauen.
Nach Angaben von SpaceX hat das Unternehmen bereits mehr als 15 Milliarden US-Dollar in das Starship-Programm investiert. Das Trägersystem soll künftig Starlink-Satelliten kostengünstiger ins All bringen und langfristig auch Rechenzentren im Weltraum ermöglichen.
Analysten bleiben überwiegend optimistisch
Trotz des deutlichen Kursrückgangs empfehlen laut Bloomberg mehr als 80 Prozent der befragten Analysten die Aktie weiterhin zum Kauf. Besonders optimistisch zeigt sich Raymond-James-Analyst Brian Gesuale, der ein Kursziel von 800 US-Dollar nennt. Andere Experten mahnen dagegen zur Vorsicht.
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