Eine aktuelle Studie im Auftrag von Austria Glas Recycling zeigt: Ausgerechnet Faulheit und Bequemlichkeit sind die häufigsten Gründe dafür, dass Glasflaschen oder Marmeladengläser im Restmüll entsorgt werden. Dabei wäre richtiges Altglassammeln ein einfacher Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz.
Österreich gilt seit Jahren als Vorzeigeland beim Glasrecycling. Über 80 Prozent der Glasverpackungen werden gesammelt und wiederverwertet. Zudem bestehen in Österreich hergestellte Glasverpackungen durchschnittlich bereits zu zwei Dritteln aus Altglas. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie des Market-Instituts im Auftrag von Austria Glas Recycling eine Entwicklung, die nachdenklich stimmt: Der Stellenwert der Mülltrennung ist in den vergangenen Jahren gesunken.
Nur noch 55 Prozent der Befragten halten Mülltrennung für „sehr wichtig“ – vor acht Jahren waren es noch um zehn Prozentpunkte mehr. Krisen, Alltagsstress und andere Sorgen scheinen dazu beizutragen, dass beim Thema Mülltrennung heute öfter ein Auge zugedrückt wird.
Glasflaschen im Restmüll? Für viele ein No-Go
Ganz so dramatisch ist die Situation allerdings nicht. Viele Menschen in Österreich nehmen das Entsorgen von Altglas weiterhin sehr genau. Laut Studie ist es für 74 Prozent der Befragten ein absolutes „No-Go“, Glasflaschen in den Restmüll zu geben.
„Seit fast 50 Jahren sammeln wir in Österreich Glasverpackungen. Rund acht Millionen Tonnen Altglas sind zum Recycling in die Glaswerke gebracht worden. Das ist beeindruckend. Danke allen, die sich für die Altglassammlung engagieren“, sagt Dr. Harald Hauke, Geschäftsführer von Austria Glas Recycling.
Weniger konsequent zeigt sich das Bild allerdings bei Lebensmittelgläsern. Nur 59 Prozent geben an, Marmeladen-, Pesto- oder Gurkengläser niemals im Restmüll zu entsorgen. 2018 waren es noch 71 Prozent. Dabei gilt: Glasverpackungen, die im Restmüll weggeworfen werden, gehen dem Recycling verloren.
Information ist da – die Motivation fehlt
Doch woran liegt es? Nur wenig Menschen nennen fehlende Informationen oder mangelnde Infrastruktur als Grund. Nur sieben Prozent fühlen sich nicht ausreichend informiert, lediglich zwölf Prozent geben an, keinen Altglascontainer in der Nähe zu haben.
Der häufigste Grund ist ein anderer: Insgesamt 52 Prozent nennen spontan „Faulheit“ oder „Bequemlichkeit“, wenn Glasverpackungen statt im Altglascontainer im Restmüll entsorgt werden.
„Wer Glasverpackungen sorgfältig entsorgt, leistet einen einfachen, aber wirkungsvollen Beitrag zum Naturschutz“, betont DI Eva Koller, Geschäftsführerin von Austria Glas Recycling. „Altglas ist der wichtigste Rohstoff für die Herstellung neuer Glasverpackungen. Ohne Altglassammlung müssten sämtliche Rohstoffe aus der Natur gewonnen werden – allein rund 190.000 Tonnen Sand pro Jahr. Das ist ein guter Grund, bei der Altglassammlung mitzumachen.“
Recycling wird beim Einkauf wichtiger
Interessant ist auch ein weiterer Trend: Knapp die Hälfte der Befragten achtet beim Lebensmitteleinkauf darauf, wie gut Verpackungen recycelt werden können. Mehr als 30 Prozent versuchen sogar, Produkte in schlecht recycelbaren Glasverpackungen bewusst zu vermeiden.
Für Harald Hauke zeigt sich darin ein Spannungsfeld: „Einerseits gewinnt die Recyclingfähigkeit von Verpackungen an Bedeutung, andererseits nimmt die Motivation, Altstoffe sorgfältig zu sammeln, ab. Glasverpackungen sind in sehr hohem Maß fürs Recycling geeignet – vorausgesetzt, man gibt sie in den Altglascontainer.“
Was gehört ins Altglas?
Was gehört nicht ins Altglas?
Faustregel: Gläser, die nichts verpacken, gehören nicht zum Altglas.
Tipps für die richtige Altglassammlung
Wussten Sie, dass...
Fotos: Daniel Willinger, Moritz Scheer