„Einfach mutlos“

Aufregung um linken Rapper nach Ausladung von ZDF

Medien
19.07.2026 11:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der deutsche Rapper Danger Dan (43) hätte in der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ auftreten sollen. Allerdings hätte er einen Song präsentiert, der laut Einschätzung des Senders als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könnte. Daher wurde der Künstler kurzerhand wieder ausgeladen. Das sorgt nun für Kritik bei den Machern von „Die Anstalt“.

„Wir verstehen, dass man über den Song geteilter Meinung sein kann, aber wir empfinden die Entscheidung des ZDF in einer Zeit, in der rechtsextreme Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik mal wieder einen Höchststand erreicht hat, einfach als mutlos“, sagte Moderator Claus von Wagner. Das Team las in der jüngsten Ausgabe, die am Samstagabend vorab im Stream gezeigt wurde, abwechselnd Passagen aus dem Song „Keine Angst“ vor und kommentierte sie. Darunter ist etwa eine Stelle, in der es darum geht, Namen von Rechtsextremen zu recherchieren und zu veröffentlichen. Das könne strafbar sein, wandte Moderator Max Uthoff ein.

Über die letzten Zeilen des Liedes, in dem vier Vornamen genannt werden, die identisch sind mit Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig verurteilter Linksextremisten, habe das Team viel diskutiert. Man verurteile Gewalt. Die Frage sei aber, was passiere, wenn der Staat sein Gewaltmonopol nicht durchsetze, sagte Uthoff. Die Debatte sei jedenfalls wichtig und man hätte sich sehr gewünscht, dass Danger Dan hätte auftreten dürfen. Dann hätte man auch anschließend mit ihm diskutieren können, ergänzte Moderatorin Maike Kühl.

Hier sehen Sie die Stellungnahme des ausgeladenen Rappers:

Ursprünglich hätte der Deutsche den Song mit Starpianist Igor Levit in der 100. Ausgabe der Satiresendung präsentieren sollen. Danger Dan kritisierte die Absage bereits und sprach von einem Eingriff in die Kunst- und Meinungsfreiheit. Er gab auf seinem Instagram-Account eine Stellungnahme ab.

ZDF: „Entscheidung nicht leicht gemacht“
Das ZDF thematisierte den abgesagten Auftritt selbst auch in einer „Aspekte“-Sendung am gestrigen Samstagabend. Zahlreiche Gäste waren zu Gast, darunter Juristinnen, Kabarettisten und Publizistinnen. Sie kamen zu unterschiedlichen Einschätzungen. Zuvor hatte der Sender mitgeteilt, dass der Text des Songs als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden könne, der Selbstjustiz propagiere und rechtswidrige Taten und Handlungen nicht ausschließe. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Show, Oliver Heidemann. Er bedauerte, dass sie lange gedauert habe. Diesen Punkt könne er nachvollziehen.

Danger Dan ist sowohl solistisch als auch als Mitglied der Hip-Hop-Band Antilopen Gang aktiv. In seinen Songs setzt er sich unter anderem mit Antisemitismus, dem Holocaust und den Grenzen der Kunstfreiheit auseinander. Nach der Ausladung vom ZDF landete das Video zu „Keine Angst“ auf dem ersten Platz im Bereich Musik auf YouTube Deutschland.

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