Die Zeit-im-Bild-Moderatorin Nadja Bernhard hat sich für den Job der Landesdirektorin in der Steiermark beworben, das wird der „Krone“ aus dem ORF bestätigt. Ob sie den Karrieresprung schafft, gilt nicht als ausgemacht.
Es kam wie erwartet: Bis Dienstag um Mitternacht konnten Bewerberinnen und Bewerber ihr Interesse an einem (oder gleich mehreren) Spitzenjobs im ORF anmelden. Noch in den letzten Stunden der Frist langten E-Mails ein. Der Stiftungsrat hatte ein eigenes Postfach dafür eingerichtet, nur der designierte neue Generaldirektor Clemens Pig hat darin Einblick.
Der frühere Manager der Nachrichtenagentur APA will nicht verraten, wer und wie viele Personen sich für die 13 Direktorenposten (vier am Küniglberg und 9 in den Landesstudios) beworben haben. Aber es sickerten einige Namen durch. Teils, weil die Bewerber ihr Interesse selbst öffentlich machten, teils, weil sich herumsprach, wer Lust auf Veränderung verspürt.
Und wer moderiert dann die ZiB?
Unter den Kandidaten befinden sich Medienleute außerhalb des ORF, sehr wohl aber auch viele, die schon bisher für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig sind. Darunter auch Nadja Bernhard, die gemeinsam mit Tarek Leitner eines der beiden Paare für die ZiB um 19.30 Uhr bildet.
Bernhard hat sich am Dienstag für den Job einer Landesdirektorin in der Steiermark beworben. Das bestätigen eingeweihte Kreise aus dem ORF der „Krone“. Bernhard selbst will nichts dazu sagen. Ein Wechsel in den Süden hätte aber nicht nur für sie selbst Konsequenzen. Der ORF müsste eine neue Moderatorin für die quotenstärkste Nachrichtensendung im ORF finden. Es handelt sich ohne Zweifel um einen hochbegehrten Posten.
Sicher ist die Bestellung aber keineswegs und das ist die Folge einer neuen Gesetzgebung, die erstmals bei einer ORF-„Wahl“ angewendet werden muss. Am 13. März 2024 wurde im EU-Parlament das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA) beschlossen, bis 8. August2025 hatten die Mitgliedsländern Zeit, die Regelung in die nationale Gesetzgebung überzuführen, auch in Österreich sind die Bestimmungen nun gültig.
Erfüllt Bernhard die EU-Kriterien?
Das EMFA sieht ein hohes Maß an Transparenz vor. Schon bei der Wahl des Generaldirektors mussten alle Stiftungsräte einzeln begründen, warum sie sich für welchen Kandidaten entschieden haben. Die Aussagen wurden protokolliert und dürften in Gerichtsverfahren noch eine Rolle spielen. Unterlegene Bewerber haben die Möglichkeit zu klagen, wenn sie sich übervorteilt fühlen.
Das Vorgehen wiederholt sich nun. Am 14. Juli erfolgte die Ausschreibung der 13 Direktorenposten. Wer den Spitzenjob in einem Bundesland haben möchte, muss sechs angeführte „Kentnisse und Fähigkeiten“ erfüllen, darunter „Führungserfahrung“. Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen also in ihrer bisherigen Karriere Teams angeführt haben.
Nadja Bernhard ist ohne Zweifel seit Jahren ein starker Muskel im ORF. Die in Kanada geborene Journalstin war zehn Jahre lang als Reporterin in der Welt unterwegs, berichtet aus dem Erdbebengebiet in Haiti, von der Ägyptischen Revolution in Kairo, war in Libyen, Irak, Rom und London. Sie hat die Sommergespräche geführt, seit 2012 moderiert sie die ZiB. Ein größeres Team aber hat sie noch nicht geleitet.
War für sie spricht: Clemens Pig muss auf ein ausgewogenes Quotenverhältnis achten. Von den neun Landescapos sind derzeit nur drei Frauen, zwei davon haben sich nicht mehr beworben.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Bestellung ist trotzdem heikel. Die Stiftungsräte müssen auch hier bekanntgeben, warum sie wem ihre Stimme gegeben haben. Die entsprechende Sitzung findet am 11. August statt, zu Beginn muss entschieden werden, wie die „Wahl“ stattfindet. Möglich ist, dass alle 13 Direktoren-Jobs im Block vergeben werden, aber auch eine Einzelabstimmung über jeden Job.
Die bestellten neuen Direktorinnen und Direktoren treten am 1. Jänner 2027 ihr Amt an. Der bisherige steirische Landesdirektor Gerhard Koch geht in Pension und hat sich nicht mehr bewroben. Er verdient laut ORF-Gehaltsliste 233.982 Euro im Jahr.
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