Obwohl schon weit über dem Pensionsalter, machte sich Edith Karl noch selbstständig. Und sie ist nicht die Einzige.
Ruhestand? Weit gefehlt! Vielmehr befindet sich Edith Karl im „Unruhestand“. Trotz ihres Alters von 79 Jahren machte sich die Junggebliebene im vorigen Jahr noch selbstständig und bietet als Unternehmensberaterin Führungskräften Coaching und „Sparrings“ in Eisenstadt an. Andere würden in dem Alter wohl eher die wohlverdiente Pension genießen. Karl wäre das aber zu langweilig. Sie könne sich nicht vorstellen, nichts zu tun, meint sie.
„Es ist furchtbar“
„Nur wenn ich fünf, sechs Sparrings am Tag habe, geht es mir gut. Wenn ich das nicht habe, ist es furchtbar“, erzählt sie. Auch bei Künstlern würde der Schaffensdrang nicht aufhören, nur weil sie ein gewisses Alter erreichen. Zwar sei sie mitunter am Abend „hundemüde“ und habe manchmal Sieben-Tage-Wochen. „Aber wenn ich eine Woche nichts mache, scharre ich schon wieder in den Startlöchern.“ Ihr Vorteil sei, dass sie sich mit Dingen beschäftige, die sie interessieren. Daher komme auch der innere Antrieb. „Wenn ich schwer körperlich arbeiten müsste, wäre das natürlich etwas anderes. Es hängt auch von der Arbeit selbst ab“, meint sie.
Lebenserfahrung
Für ihre Arbeit sei ihr Alter jedenfalls kein Nachteil. Gerade Senior-Chefs würden sich jemanden mit viel Lebenserfahrung eher öffnen, als jemanden, der deutlich jünger ist. „Außerdem habe ich noch nicht so viele Falten und bewege mich noch dynamisch“, schmunzelt Karl.
Neuer Trend
Selbstständigkeit im Alter liegt laut Wirtschaftskammer im Trend. Demnach sind aktuell 1400 Unternehmer aktiv, obwohl sie älter als 65 Jahre sind. Fast ein Fünftel der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) sind solche „Silverpreneure“. Die Gründe sind vielfältig: Genannt werden das Interesse, die Freude und Begeisterung an der Arbeit sowie der Wunsch nach einer sinnvollen Beschäftigung im Ruhestand. Finanzielle Aspekte spielen eher eine untergeordnete Rolle.
Bewusste Entscheidung
„Immer mehr Selbstständige im Burgenland entscheiden sich bewusst dafür, auch im Alter aktiv zu bleiben oder noch ein Unternehmen zu gründen. Das ist ein enormer Gewinn für unseren Wirtschaftsstandort“, freut sich Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Wirth. Im Vorjahr wurden im Burgenland 123 Unternehmen von Personen gegründet, die ihren 60. Geburtstag bereits hinter sich haben.
Aber besteht nicht die Gefahr, dass sie jungen Menschen den Job wegnimmt? Nein, meint Karl. „Wer zu mir kommt, weiß, dass ich kein Start-up frisch von der Uni bin.“
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