Verändert sich die Ernährung in die Richtung, wie sie von vielen Experten eingemahnt wird, würde das die Landwirtschaft auf der Welt substanziell verändern. So bräuchte man insgesamt etwas weniger Anbaufläche, viel weniger Nutztierhaltung und mehr Flächen für Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte.
Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung aus Österreich hat im Fachjournal „Nature“ berechnet, wie die Verschiebungen aussehen könnten. Das Fazit: Weniger Fleisch, dafür mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte.
Die Empfehlungen der EAT Lancet Kommission sehen vor, deutlich weniger Fleisch von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen zu essen. Stattdessen sollen pflanzliche Lebensmittel stärker auf den Teller kommen. Eier, Fisch und Geflügel sollen nur in moderaten Mengen verzehrt werden – und eventuell gar aus „Laborzüchtung“, auch als Futterquelle für unsere Haustiere?
Nahrungsmittelproduktion als Klimasünder
Der Hintergrund: Die derzeitige Nahrungsmittelproduktion verursacht rund ein Drittel der klimaschädlichen Emissionen. Gleichzeitig begünstigt eine fleischreiche und unausgewogene Ernährung zahlreiche Krankheiten.
Extremer Rückgang des Viehzuchtsektors
Forscher um Matthew Gibson und Mario Herrero von der Cornell University haben berechnet, wie sich eine weltweite Ernährungsumstellung bis 2050 auswirken könnte. Demnach könnte die Zahl der Wiederkäuer um rund 400 Millionen sinken. Das entspräche einem Rückgang des Viehzuchtsektors um rund 42 Prozent gegenüber 2020.
Die Folge wären deutlich weniger benötigte Weideflächen. Dadurch könnten mehr Waldflächen entstehen, die zusätzlich CO2 binden. Die Treibhausgase aus der Viehzucht könnten laut Studie um bis zu 85 Prozent sinken.
Gleichzeitig würde die weltweit für Nahrungsmittel genutzte Fläche um rund sechs Prozent zurückgehen. Die Produktion von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten würde dagegen um etwa ein Viertel steigen.
Die Forscher sehen auch große Vorteile für die Gesundheit: Mehrere Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr könnten verhindert werden. Zudem könnten Gesundheitssysteme stark entlastet werden.
Offen bleibt aber, ob Politik und Verbraucher diesen Kurs mittragen. Denn dafür bräuchte es ein Umdenken in Landwirtschaft, Umweltpolitik und Konsumverhalten. Die Studienautoren sprechen von einem nötigen „Bruch mit vielen historischen Trends“ und von „mutige politische Entscheidungen“.
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