Schon stark gefährdet

Forscher entdecken neue Affenart im Kongo

Wissen
15.07.2026 20:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein internationales Forscherteam hat im afrikanischen Kongobecken eine neue Affenart beschrieben. Kaum entdeckt, ist der schwarze Affe bereits stark gefährdet. 

Der Affe mit glänzend schwarzem Fell, langem Schwanz und einem leuchtend orangen Fleck um Maul und Nase geriet Forschern bereits im Jahr 2008 vor die Kameralinse. Das in einer abgelegenen Region im Regenwald aufgenommene Foto war aber nicht aussagekräftig genug, um eine eigene Art zu beweisen. Das ist erst jetzt gelungen.

Umfangreiche Analysen
Zehn Jahre nach der ersten Begegnung kam es zu einer erneuten Sichtung des Primaten, die zu weiteren Untersuchungen führte. Genetische, anatomische und akustische Analysen haben nun bestätigt, dass der Stummelaffe mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Colobus congoensis eine eigene Art ist. Von den Bewohnern des Kongobeckens wird er „Likweli“ genannt.

Entdeckt wurde der Affe in der Demokratischen Republik Kongo:

Am engsten sei er mit den Schwarzen Stummelaffen (Colobus satanas) verwandt, obwohl die beiden Arten durch mehr als 1200 Kilometer Wald voneinander getrennt seien, heißt es in einer Studie im Magazin „PLOS One“. Beteiligt war daran ein Wissenschaftsteam der Florida Atlantic University, der Lukuru Wildlife Research Foundation, der Yale University, der City University of New York sowie des Lomami-Nationalparks und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt.

Verlust des Lebensraums droht
Gerade erst entdeckt, ist die Zukunft des Affen bereits gefährdet: Die Tiere leben in einem begrenzten Gebiet und sind Jagddruck und Verlust des Lebensraums ausgesetzt. Das Forschungsteam schlägt daher vor, die neu entdeckte Art in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet einzustufen. „Die Entdeckung von Colobus congoensis ist sowohl ein wissenschaftlicher Triumph als auch eine ernüchternde Erinnerung daran, dass einige der seltensten Lebewesen der Erde verschwinden könnten, bevor die Welt überhaupt von ihrer Existenz weiß“, sagte Kate Detwiler, Professorin für Biowissenschaften an der Florida Atlantic University, die an der Studie mitschrieb.

Klingt anders als andere Affen
Colobus congoensis verfügt der Studie zufolge über ein markantes, maskenartiges Aussehen, das ihn von allen anderen bekannten afrikanischen Stummelaffen unterscheidet. Er ist kleiner als verwandte Affen, nämlich etwa sieben Kilogramm schwer. Außerdem klingt er ganz anders: Seine tiefen, resonanten Rufe hätten eine eigenständige akustische Struktur.

Die Forscher sprachen auch mit Bewohnern und Jägern in den Dörfern des Regenwaldes über den Affen, um mehr über die Verbreitung und das Verhalten herauszufinden. Die Einheimischen beschrieben den Affen demnach als scheu und selten zu sehen. Zwischen 2018 und 2022 verzeichnete das wissenschaftliche Team 114 Sichtungen in einem geschätzten Verbreitungsgebiet von lediglich 1700 Quadratkilometern – ein ungewöhnlich kleines Gebiet für Stummelaffen. Die Art scheint durch Flüsse und Waldränder natürlich isoliert zu sein.

Artenreiches Kongobecken
Die Entdeckung unterstreicht die Bedeutung des artenreichen Kongobeckens. „Selbst in Regionen, die bereits wissenschaftlich erforscht wurden, werden immer noch völlig neue Arten entdeckt“, betont. Mitautor John Hart von der Lukuru Wildlife Research Station: „Diese Entdeckung unterstreicht, wie viel Biodiversität im zentralen Kongobecken noch unerforscht ist und wie diese Region unser Verständnis der Primatenevolution und des Primatenschutzes weiterhin prägt.“

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