Lebensmittelversorgung

„Nicht Landwirtschaft anderen Interessen opfern!“

Kärnten
15.07.2026 14:00

Es ist nicht nur von den Temperaturen her, sondern auch agrarpolitisch ein heißer Sommer, ist man sich in der Landwirtschaftskammer sicher. Die Bauern kämpfen um ihre Wettbewerbsfähigkeit und fordern von der EU eine Stärkung der Landwirtschaft.

„In der Landwirtschaft gibt es in diesem heißen Sommer thematische Brennpunkte. Die Herausforderungen könnten kaum größer sein“, so Josef Moosbrugger, der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, der wegen der Sommerkonferenz der Präsidenten aller Landwirtschaftskammern Österreichs derzeit in Kärnten weilt, wo dieses Treffen nach neun Jahren wieder ausgerichtet wird. 

Steigende Kosten bei gleichbleibenden und sinkenden Erzeugerpreisen
Die weltpolitischen Unsicherheiten wie die Kriege zwischen Russland und Ukraine sowie den USA und dem Iran wirken sich nicht zuletzt wegen hoher Energiepreise auch auf die Landwirtschaft aus: Treibstoff- und Düngemittelpreise und somit die Produktionskosten steigen, die Preise am Markt aber sinken. „Die Wirtschaftlichkeit leidet, Investitionen, welche die Betriebe zukunftsfit machen, leiden“, so Moosbrugger.

LK Kärnten-Präsident Siegfried Huber und LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger
LK Kärnten-Präsident Siegfried Huber und LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger(Bild: Landwirtschaftskammer/ Wilfried Pesentheiner)

„Panzer verrotten – hört ein Bauer auf, fängt er nie mehr an“
„Die militärische Sicherheit ist wichtig, aber auch die Versorgungssicherheit muss wichtig sein. Und da schwächelt Europa“, kritisiert der Landwirtschaftskammerchef. „Es darf bei Lebensmitteln nicht passieren, was bei der Energie passiert ist. Die EU-Kommission muss den Fokus auf eine nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln, mit erneuerbaren Rohstoffen und mit Energie aus Europa legen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Sie verfolgt längst überholte, in einem völlig anderen geopolitischen Umfeld geschaffene Strategien und opfert kontinuierlich die Landwirtschaft anderen Interessen“, betont Moosbrugger. Huber formuliert es noch deutlicher: „Panzer verrotten irgendwann. Ein landwirtschaftlicher Betrieb, der aufhört, macht nie wieder weiter. Dann verändert sich die Landschaft und der Tourismus leidet. Das hängt ja alles dran!“

„Steigen Anforderungen, müssen auch Gelder steigen“
Konkret kritisieren die Vertreter der Landwirte die hohen Auflagen, von denen es immer mehr und immer höhere gebe, und die zunehmende Dokumentations- und Aufzeichnungspflicht. „Das lähmt die land- und forstwirtschaftlichen Familienunternehmen“, so Moosbrugger. „Wir stehen zu Nachhaltigkeit, zu Biodiversität, zu Artenvielfalt, aber Naturschutzprogramme bedeuten, dass weniger produziert werden kann. Das muss abgeholten werden.“ Und da die hohen Auflagen für Produzenten in anderen Ländern nicht gelten und deren Produkte importiert werden, stünden die Landwirte auf dem Markt schlecht da. „Was für unsere Produzenten an Auflagen gilt, muss auch für Importe gelten. Und steigen die Anforderungen an uns, müssen auch die Gelder steigen“, unterstreicht Moosbrugger. „Wer Mittel kürzen möchte, muss sagen, auf welche bäuerlichen Leistungen er verzichten möchte.“

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Wir befinden uns in einer ganz schwierigen Phase. Die Lage in den Betrieben ist sehr angespannt, so angespannt wie noch nie zuvor.

Siegfried Huber, Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten

Schon das zweite Jahr in Dürre 
Ein belastendes Thema ist die Trockenheit. „Vom Boden- bis zum Neusiedler See gab es zu wenige Niederschläge, der Grundwasserstand ist niedrig, es gibt Ertragseinbußen“, weiß Moosbrugger. Die Qualität beim Getreide sei zwar gut, aber es gebe viel zu wenig Grünfutter. „Wie sollen sich Landwirte damit auf den Winter vorbereiten? Sollen sie weniger Tiere über den Winter bringen? Futter zukaufen ist schwierig, wenn es wenig gibt und es dadurch teuer ist.“ Aus dem Gurk- und Metnitztal wisse man bereits, so Kärntens Landwirtschaftskammer-Präsident Siegfried Huber, dass der Ertrag vom ersten Schnitt bei der Heuernte gering ausfiel.

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Bauern fühlen sich derzeit nicht verstanden. Ein Abwenden von Europa wäre schlecht. Lebensmittelversorgungssicherheit ist wichtig und geht nur mit den Bauern.

Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich

Gespannt blicke man auf die Verhandlungen zum EU-Budget und zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028. „Wir brauchen eine starke Agrarpolitik mit inflationsangepassten Zahlungen – alles andere ist inakzeptabel!“, so Huber. Derzeit werde über eine 20-prozentige Einsparung bei den GAP-Mitteln gesprochen. „Die Betriebe brauchen eine höhere Wertschöpfung durch faire Erzeugerpreise und Maßnahmen der öffentlichen Hand zur Eindämmung der steigenden Produktionskosten.“

Appell an Konsumenten
Einmal mehr appelliert Huber an die Konsumenten, denn all die Erzeugnisse der heimischen Landwirte Bauern ergeben nur Sinn, wenn sie auch gekauft werden. „Die Leistungen, die unsere Bäuerinnen und Bauern täglich erbringen, auch für die Gesellschaft, wollen wir in einer Kampagne aufzeigen: ,Auf uns ist Verlass!‘“

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