Spaniens Teamchef Luis de la Fuente geht es im Finale der WM gar nicht primär darum, dieses zu gewinnen, wie er nun nach dem gewonnenen Halbfinale gegen Frankreich (2:0) erklärte ...
Spanien greift 16 Jahre nach dem ersten Fußball-WM-Titel wieder nach dem ganz großen Triumph. Mit gnadenloser Kontrolle stoppte der Europameister am Dienstag in Dallas Frankreichs Offensive und gewann 2:0. „Wir haben den Geist von 2010 wiedergefunden“, erklärte Teamchef Luis de la Fuente nach der Machtdemonstration. „Wir haben gegen ein Team, das eine brillante WM gespielt hat, alles richtig gemacht“, sagte Torschütze Pedro Porro. Am Sonntag soll die finale Krönung erfolgen.
„Es ist schwer, meine Gefühle zu beschreiben. Aber ich glaube, es ist so etwas wie Glück und Stolz, eine so außergewöhnliche Mannschaft wie diese zu führen“, meinte De la Fuente nach dem Halbfinale und lobte seine Elf als eingeschworene Gemeinschaft, die deswegen das beste Team der Welt sei. „Wir wissen, dass der gesamte Kader mit derselben Begeisterung auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet. Wir sind ganz normale Menschen, die das Gemeinwohl vor unsere eigenen individuellen Interessen stellen“, erklärte der 65-Jährige das Erfolgsrezept.
Weniger Spektakel, mehr Kontrolle
Dieses manifestierte sich in Dallas. Spaniens Matchplan war weniger auf Spektakel ausgerichtet als vielmehr auf Kontrolle – das ging komplett auf. Vom Anpfiff weg ließen die Iberer Frankreichs bisher auftrumpfende Offensive keinen Platz zur Entfaltung. Sie verstärkten ihren Zugriff mit jeder Pressingwelle und jeder Ballbesitzphase und nahmen Kylian Mbappe, Michael Olise und Co. sprichwörtlich die Luft zum Atmen. Vorne sorgten Mikel Oyarzabal via Foulelfmeter und Porro für die Tore.
„Einer der entscheidenden Faktoren, die uns ins Finale gebracht haben, war, dass wir den Ball in unseren Reihen gehalten haben“, sagte Porro. „Es ist ein Sieg für eine unglaubliche Mannschaft, ein Sieg für alle 26 Spieler.“ Ähnlich stolz war auch der Kapitän. „Wir haben gezeigt, welchen Charakter wir als Mannschaft haben und wie reif wir in entscheidenden Momenten sind“, sagte Rodri. „In diesen Momenten – und das ist für mich das Wichtigste -, muss man auf seine Chancen warten. Gelassenheit ist der Schlüssel.“
Kein spanischer Spieler wird müde, die mannschaftliche Geschlossenheit zu betonen. Zwar gibt es mit Lamine Yamal einen globalen Superstar in den Reihen von „La Roja“, der die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber er dominiert sie bei weitem nicht so, wie ein Lionel Messi Argentinien, Harry Kane und Jude Bellingham England oder wie Mbappe das Spiel der Franzosen. Spanische Matchwinner waren bei dieser WM immer wieder Spieler wie Oyarzabal oder Mikel Merino.
Ein Trainer mit der Aura eines Unbesiegbaren
Seit Amtsbeginn im Jänner 2023 hat De la Fuente 48 Länderspiele Spaniens verantwortet. Verloren hat er davon: drei. Und bei Europa- oder Weltmeisterschaften: keines. Seit dem 0:2 gegen Schottland in der EM-Qualifikation im März 2023 hat Spanien in Pflichtspielen nur noch das Finale der Nations League im vorigen Sommer gegen Portugal verloren – im Elfmeterschießen. Aus dem Spiel heraus ist der Europameister mit De la Fuente an der Seitenlinie seit mehr als drei Jahren bzw. 37 Matches unbezwungen – damit wurde die Bestmarke Italiens egalisiert.
Der Trainer betonte am Dienstag noch einmal, wie wichtig die richtige Kaderwahl sei. „Ich habe noch nie eine so vorbildliche Gruppe erlebt, auf dem Platz und neben dem Platz. In 47 Tagen zusammen hatten wir nicht ein einziges Problem.“ Der Coach sieht dennoch weiter Luft nach oben. „Das Verbesserungspotenzial ist grenzenlos. Wir wollen weitermachen und uns noch weiter verbessern. Wir haben noch einen Schritt vor uns, und den werden wir angehen.“

De la Fuente hat zudem einen Finalwunsch. Er würde gerne gegen Argentinien antreten, da er mit Trainer Lionel Scaloni eng befreundet sei. Gleichzeitig lobte er England und bezeichnete das andere Halbfinale als ein Spiel, das „glatt das WM-Finale sein könnte“. Und er gab einen Einblick in seine Endspielbewertung. „Ich glaube nicht an die Vorstellung, dass Endspiele dazu da sind, um gewonnen zu werden. Sie sind dazu da, um sie zu genießen“, sagte er. „Was noch vor uns liegt, könnte das Tüpfelchen auf dem i sein.“
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