Prozess um Mordversuch

Steirer (24) schoss auf davonlaufende Drogendealer

Steiermark
15.07.2026 14:00

Ein geplatzter Drogendeal auf einem abgelegenen Parkplatz, dann fallen Schüsse und ein Mann geht zu Boden: Was sich nach einer Szene aus einer TV-Serie anhört, spielte sich in der südsteirischen Provinz ab. Einem 24-Jährigen wird nun der Prozess wegen versuchten Mordes gemacht. 

Ein hagerer junger Mann sitzt herausgeputzt mit Sakko, Hemd und Krawatte im Schwurgerichtssaal am Grazer Straflandesgericht. Der Elektrotechniker aus der Südsteiermark ist höflich und drückt sich gewählt aus. Mit der Justiz hatte er bislang nichts zu tun, ist bis zu seiner Verhaftung berufstätig gewesen, und etwa zur selben Zeit brachte seine nunmehrige Ex-Freundin ein Kind von ihm zur Welt.

Hinter der unscheinbaren Fassade sieht die Welt ganz anders aus: Dem 24-Jährigen wird versuchter Mord sowie illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Der Steirer ist seit seinem 17. Lebensjahr drogenabhängig. „Gras sowieso, sehr viel Kokain, Crystal Meth. Und eigentlich alles, was mir unter die Nase kam“, gibt er unverhohlen zu Protokoll.

Friseur als Drogenumschlagplatz
In einem Barbershop in der Südsteiermark lernte der Angeklagte letzten Sommer einen Drogendealer kennen, der ihm Kokain anbot. „Also, wenn ich zum Friseur gehe, wird mir kein Koks angeboten“, wirft Richter Martin Heissenberger ein. „Das ist schon ein spezieller Friseur, der dafür bekannt ist“, entgegnet der Angeklagte. Kokain habe er ohnehin nicht gebraucht, er wollte die Designerdroge CMC. Für den Dealer auch kein Problem. Nach einem ersten Testkauf wollte der 24-Jährige gleich ordentlich zuschlagen und bestellte bei dem Rumänen 150 Gramm des stark aufputschenden Stoffs um 3000 Euro.

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Also, wenn ich zum Friseur gehe, wird mir kein Koks angeboten.

Richter Martin Heissenberger zeigt sich verwundert

Schon vor der vereinbarten Übergabe habe ihn der Dealer durch Drohgebärden misstrauisch gemacht, daher versteckte der Angeklagte „zur Sicherheit“ eine illegal besessene Pistole in seinem Auto. Diese hatte er einige Jahre zuvor von einem – inzwischen verstorbenen – Freund bekommen. „Die Waffe hatte ich nur aus Interesse an alten Relikten, ich hatte nie böse Absichten damit“, gibt der junge Mann an.

Dealer hatten keine Ware dabei
Zur Übergabe trafen sich die Männer zunächst am späten Abend am McDonalds-Parkplatz in Leibnitz. Der Dealer kam allerdings wider Erwarten in Begleitung zweier weiterer Männer. „Ich wollte den Deal gleich dort machen, sie wollten woanders hin“, erklärt der 24-Jährige. Man fuhr weiter zu einem abgelegenen Schotterparkplatz an der Mur – tagsüber ein beliebtes Gebiet für Spaziergeher.

Im Auto des Angeklagten sollte die Ware dann ihren Besitzer wechseln. Der Dealer und seine Kumpanen hatten aber anderes im Sinn: Sie hatten den vereinbarten Stoff gar nicht dabei und wollten dem 24-Jährigen nur das Geld abnehmen. Das geschah dann sogar ohne Gewalt: Die Männer lenkten ihren „Kunden“ ab und zupften ihm das Geld aus der Bauchtasche seines Pullis. Als sie gemächlich und grinsend zu ihrem Auto zurückgehen wollten – „sie hatten ja keine Eile, weil sie wussten, dass ich ihnen allein unterlegen war“ – griff der 24-Jährige zu der Pistole unter seinem Autositz.

Zuerst schoss er in die Luft und rief ihnen „Geld her!“ hinterher. Als die Männer davonliefen, feuerte er ihnen nach – und traf einen Komplizen (20) des Dealers ins Bein. „Durch bloßes Glück“, wie die Staatsanwältin betont, kam der junge Mann so mit einer schweren Beinverletzung davon.

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Der Angeklagte war wütend, wollte sich rächen und Selbstjustiz üben. Durch bloßes Glück hat er ,nur‘ ins Bein getroffen. 

Die Staatsanwältin

„War zielsicher mit der Waffe“
Der Schütze flüchtete, ohne sein Geld zu nehmen, zu einem Freund und bat diesen, die Waffe und seine Kleidung verschwinden zu lassen. Doch schon am nächsten Abend war ihm die Polizei auf die Schliche gekommen, und es klickten die Handschellen.

Der Angeklagte gesteht den Ablauf jener unheilvollen Nacht so weit unumwunden, verwehrt sich aber gegen den Vorwurf des Mordversuchs. „Ich habe im Wald öfter mit der Waffe geübt und wusste, ich bin zielsicher. Ich habe bewusst auf die untere Beinregion gezielt, um nichts Schwerwiegendes zu verletzen“, sagt der Südsteirer.

Ob Tötungsabsicht oder nicht: Die zentrale Frage, über die die Geschworenen entscheiden müssen, ist, ob der Angeklagte den Tod des Mannes zumindest ernsthaft für möglich gehalten und in Kauf genommen hat (bedingter Vorsatz). Es werden noch zahlreiche Zeugen aussagen sowie drei Sachverständige zu Wort kommen. Ein Urteil soll am Donnerstag fallen.

Den Opfern dieses Falls – dem Dealer und seinen Komplizen – wird übrigens für ihre Straftaten gesondert der Prozess gemacht.

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