Millionen von Menschen haben das Schicksal von „Timmy“ verfolgt. Im Frühjahr war der Buckelwal an der deutschen Ostseeküste gestrandet, mehrere Befreiungsversuche scheiterten. Nach einer letzten spektakulären Aktion starb der Wal vor Dänemark. Jetzt kommt das Drama auf die Bühne.
„Die Hope stirbt zuletzt“ heißt das satirisch-provokante Stück, das am Samstag im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg uraufgeführt wird. „Hope“ war ein weiterer Name, auf den der Buckelwal getauft wurde. Um ihn wurde monatelang gebangt, gestritten und diskutiert. Demonstranten forderten mit dem Slogan „Freiheit für Hope“ Rettungsaktionen, obwohl sich Fachleute dagegen aussprachen. Als der Hype immer größer wurde und immer bizarrere Züge annahm, entschloss sich Regisseur Alexander Klessinger, ein Theaterstück zu inszenieren.
„Timmy wurde zum Spiegel“
„Ich hatte das Gefühl, dass es irgendwann gar nicht mehr um den Wal ging. Timmy wurde zu einer Art Spiegel für die Dynamik von Medien, Politik, Emotionen und Aufmerksamkeit, die sich alle in diesem einen Wal konzentrierten“, sagte Klessinger gegenüber der „Bild“-Zeitung. Den 40 Jahre alten Regisseur faszinierte die Frage, warum ein einzelnes Tier so große Empathie auslösen kann, während täglich unzählige Tiere industriell getötet werden.
Auf Instagram gab der Regisseur schon eine Kostprobe:
„Moderne Passionsgeschichte“
Dieser Widerspruch steht im Zentrum des provokanten Theaterstücks, das den Hype um „Timmy“ satirisch verarbeitet. Laut dem Ernst-Deutsch-Theater ist es eine „wilde Mischung aus Performance, Konzert, Messe und öffentliche Selbstbefragung“. Es erzählt die Chronologie der Ereignisse vom ersten Stranden bis zum letzten Rettungsversuch als „moderne Passionsgeschichte“.
Der Buckelwal liegt darin auf einem Altar vor einem großen Kreuz, wird wie ein Heiliger behandelt – und kommt auch selbst zu Wort. Als zwei Meter großes aufblasbares Walkostüm kommentiert „Timmy“ singend das Spektakel.
Podiumsdiskussion mit Tierärztin
Im Anschluss an die Aufführung findet eine Podiumsdiskussion statt, an der neben anderen Kirsten Tönnies teilnimmt. Die Tierärztin hatte die Ereignisse rund um den kontroversen letzten Bergungsversuch vor Ort begleitet und wurde durch die Debatte um die Rettung von „Timmy“ international bekannt.
Zum Finale wird es noch einmal provokant. Die Berliner Band Tulpe spielt ein Konzert. Im April hatte die Gruppe den Song „Sprengt den Wal“ veröffentlicht, der den Hype auf die Schaufel nahm und zeitweise Platz eins der deutschen Spotify-Charts erreichte.
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