Zum bereits 43. Mal geht ab 9. Juli der ImPulsTanz in Wien über die Bühne _ u. a. im Burgtheater, mumok und Volkstheater. Wir baten Karl Regensburger zum Gespräch, der seit 1984 das weltgrößte Tanzfestival leitet.
„Krone“: Das Motto des ImPulsTanz Festivals 2026 lautet „Fokus Korea“, ist das ein schlauer Marketing-Schachzug und dem aktuellen Korea-Trend, Stichwort K-Pop und Netflix-Hit „Squid Game“, geschuldet?
Karl Regensburger: (lacht) Nein, im Workshop-Bereich ist Tanz aus Korea schon seit einigen Jahren vertreten. Das energiegeladene koreanische Kulturinstitut hat uns einmal eingeladen, Verschiedenes anzuschauen und nun ist es so weit, dass wir das umsetzen: Mit Eun-Me Ahn steht dabei eine renommierte Choreografin im Zentrum, die man auch die Pina Bausch Asiens nennt. Ein wahres Energiebündel! Sie zeigt hier u. a. die Produktion „North Korea Dance“. Das war gar nicht leicht, das der südkoreanischen Kulturpolitik zu vermitteln, wobei das Stück ja eigentlich zur Versöhnung aufruft.
Ist es für Sie eigentlich schwierig, die Leute zu bekommen oder viel schwieriger, ihnen abzusagen.
Mittlerweile zweiteres. ImPulsTanz hat einen sehr, sehr guten internationalen Ruf, und viele Künstler wollen Uraufführungen bei uns machen. Diesmal sind es 12 Weltpremieren. Das ist auch ein schönes Risiko.
Sind Sie ständig auf der Achse und auf der Suche nach neuen Trends?
Nein, das Meiste kommt wirklich im Wesentlichen auf uns zu. Weil wir schon so lange gute Bekanntschaften pflegen, z. B. mit Anne Teresa De Keersmaeker und Boris Charmatz. Namhafte Choreografen rufen uns dann schon an und sagen, ihr müsst irgendwie schauen, dass ihr das bekommt. Wir haben über Jahrzehnte sehr viele Informationsquellen entwickelt. Drei, vier unserer Leute sind aber mehr oder weniger schon auf Achse, ich weniger. Ich hasse das Reisen mehr und mehr. Früher habe ich mir mindestens 100 Performances im Ausland angeschaut.
Wenn jemand sagt, dass er mit modernem Tanz nichts am Hut hat, wie bringen Sie ihn dazu, sich da zu öffnen?
(lacht) Dass es spannend ist, dass es gut ist. Wir haben teilweise schon sehr extreme Performances, die auch von jenen besucht werden, die ein klassisches Ballett-Abo haben und die dann nachher sagen: „Ihr seids ja völlig verrückt“. Wenn man mit ihnen allerdings darüber diskutiert, ist es spannend, dass die dann fast immer zurückkommen. Wenn du dich mit dem teilweise auch sehr kritischen Publikum auseinandersetzt und nicht sagst: „Du verstehst das nicht, bleib daheim“, das ist der falsche Zugang. Oft kommen Zuschauer mit einem gewissen Blick, den sie verteidigen. Den muss man versuchen, zu erweitern.
Was ist die Faszination an einer Tanzperformance?
Es ist das Live-Erlebnis. Schauen Sie, wie Florentina Holzinger bewegt! Sie hat ihr erste Choreografie 2012 bei uns gezeigt. Ich habe ganz selten, nicht einmal bei den großen Choreografinnen, eine derartig explosive Entwicklung gesehen, wie bei ihr. Sie ist extrem fleißig und provoziert auch nicht, sondern ist ganz überlegt in dem, was sie tut.
Die Förderungen des ImPulsTanz-Festivals belaufen sich auf insgesamt 5,3 Millionen Euro!
Ja, das klingt sehr viel, ist auch sehr viel, aber wir machen auch sehr viel daraus. Wir sind das mittlerweile weltgrößte Tanzfestival, haben nach wie vor eine Eigenfinanzierung von 45 Prozent. Das ist ein Gesamtbudget von 10 Millionen. Und wir haben 2 Millionen Einnahmen an der Kasse.
Jetzt machen Sie das seit über 40 Jahren. Was treibt Sie nach wie vor an?
Ich habe nichts anderes gelernt (lacht). Nein, ich mach‘s wirklich leidenschaftlich gern. Mich hält das wach. Ein Überlebenstrieb.
Gibt‘s einen großen Wunsch, den Sie haben?
Ich würde mir wünschen, dass wir vielleicht ein hoffentlich gelungenes Programm noch einmal in der Staatsoper ergänzen könnten. Mit einer zeitgenössischen Ballettschiene (lacht) Denn es ist nicht leicht, die Staatsoper zu bekommen.
Letzte Frage: Tanzen Sie selbst auch?
Ich bin da ein Schüchterner. Aber in der Küche, da tanze ich schon.
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