Während die Welt um Tiere wie Beluga „Timmy“ bangt, sterben anderswo wieder Wale unter Harpunen. Japan hat die Jagd auf Wale erneut aufgenommen, Norwegen tötet Zwergwale in Rekordtempo, und auf den Färöer-Inseln wurden bereits über 100 Grindwale getötet.
Noch vor wenigen Monaten hielt die Welt den Atem an, als verzweifelte Helfer versuchten, Beluga-Wal „Timmy“ aus den kalten Küstengewässern zu retten. Millionen Menschen litten mit dem sanften Meeressäuger mit, hofften auf ein Wunder für eines jener edlen Geschöpfe, die seit Jahrmillionen durch die Ozeane ziehen wie lebende Erinnerungen einer besseren Erde. Doch während vielerorts um jeden einzelnen Wal gekämpft wird, beginnt andernorts erneut das große Töten.
Japan, Norwegen, womöglich bald auch Island: Die globale Walfangsaison läuft wieder an — und mit ihr eine blutige Jagd auf hochintelligente Meeressäuger, deren Gesänge einst ganze Ozeane erfüllten.
Harpunen statt Schutzversprechen
Besonders alarmierend ist die Entwicklung in Japan. Seit dem Austritt aus der Internationalen Walfangkommission im Jahr 2019 betreibt das Land wieder offenen kommerziellen Walfang. Bereits im April liefen die ersten Fangschiffe aus. Mehr als 2.000 Tonnen Walfleisch sollen heuer erbeutet werden.
Für Dr. Mona Schweizer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife ist das ein fatales Signal: „Wir erleben derzeit erschreckend deutlich, dass Walfang und Delfinjagd noch lange kein Kapitel der Vergangenheit sind.“
Besonders bitter: Der Konsum von Walfleisch sinkt seit Jahren massiv. Dennoch wird die Industrie weiterhin mit staatlichen Geldern künstlich am Leben gehalten.
Explosivharpunen reißen neue Wunden
Noch brutaler zeigt sich die Lage in Norwegen. Dort wurden seit Saisonbeginn bereits dutzende Zwergwale mit Explosivharpunen getötet — viermal so viele wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Die Fangquote wurde für 2026 sogar weiter erhöht.
Mehr als 17.500 Zwergwale starben dort seit dem internationalen Walfangmoratorium von 1986. Und wofür? Für eine Industrie, deren Zukunft selbst wirtschaftlich fragwürdig erscheint. Nur ein Bruchteil der norwegischen Bevölkerung konsumiert überhaupt noch Walfleisch. Der Großteil des Exports landet in Japan — trotz sinkender Nachfrage. „Norwegen jagt Wale, die kaum jemand essen will“, kritisiert Schweizer scharf.
Die Rückkehr der Finnwal-Jäger
Auch Island könnte bald wieder zur Bühne eines internationalen Naturschutzdramas werden. Hinweise verdichten sich, dass Walfangunternehmer Kristján Loftsson nach zweijähriger Pause erneut Jagd auf Finnwale machen will — jene majestätischen Riesen, die zu den größten Tieren unseres Planeten zählen und international als gefährdet gelten.
Es wäre ein weiterer Schlag gegen den ohnehin brüchigen globalen Meeresschutz. Denn jeder getötete Finnwal ist mehr als nur eine Zahl. Es ist der Verlust eines hochsozialen Wesens, eines Giganten mit komplexer Kommunikation, Erinnerungsvermögen und engen Familienbindungen.
Blutrote Buchten auf den Färöer-Inseln
Besonders verstörende Bilder kommen erneut von den Färöer-Inseln. Dort wurden bei der ersten sogenannten Grindadráp-Treibjagd der Saison bereits über 100 Grindwale getötet — darunter Jungtiere und trächtige Weibchen.
Die Tiere werden dabei mit Booten in flache Buchten getrieben, mit Metallhaken an Land gezerrt und schließlich mit Lanzen getötet. Minutenlang kämpfen manche der Meeressäuger um ihr Leben, während sich das Wasser rot färbt. Befürworter sprechen von Tradition. Kritiker hingegen von einem archaischen Ritual, das in einer modernen Gesellschaft keinen Platz mehr haben dürfe. „Das immense und überflüssige Tierleid bleibt dasselbe“, warnt Schweizer.
Der Kampf um die letzten Giganten
Naturschutzorganisationen wie Pro Wildlife versuchen nun, den internationalen Druck zu erhöhen. Bis zur nächsten Konferenz der Internationalen Walfangkommission im September werden weltweit Unterschriften gegen den kommerziellen Walfang gesammelt.
Denn die Bilder der vergangenen Wochen zeigen vor allem eines: Der Schutz der Wale ist längst nicht gewonnen. Während Menschen für einzelne Tiere wie Timmy um jedes Leben kämpfen, sterben anderswo ganze Walfamilien unter Harpunen. Und mit jedem Schlag gegen diese uralten Geschöpfe verliert auch die Menschheit ein Stück ihrer eigenen Würde.
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