Umzug ohne Pferde?

Villacher Kirchtag: Noch mehr tun für Sicherheit

Kärnten
10.07.2026 14:01

Das größte Brauchtumsfest Österreichs zieht Jahr für Jahr mehr als 450.000 Besucher an – es braucht ein gutes Sicherheitskonzept. Das bisherige stammte aus 2015 und wurde nun von einem Experten, der für Events wie das Donauinselfest oder den Song Contest Konzepte erstellt, auf Vordermann gebracht.

„Im besten Fall bemerken die Besucher das Sicherheitskonzept gar nicht; es soll einfach nur funktionieren“, so Alfred Winkler, der ehemalige Villacher Behördenleiter, der den Kirchtag weiterhin juristisch begleitet. Weil sich Menschen, Erfahrungen und Anforderungen ändern, wurde das Sicherheitskonzept aus dem Jahr 2015 für den 81. Kirchtag überarbeitet.

Dafür konnte Herbert Wagner als Experte gewonnen werden; er erstellt  Sicherheitskonzepte für Großevents wie das Donauinselfest oder den Song Contest in Wien, hat sich im Vorjahr in Villach beim Kirchtag umgeschaut und dann gemeinsam mit den Blaulichtorganisationen und dem Kirchtagsverein ein Update des Sicherheitsmanagements vorgenommen.

„Es ist ein Konzept auf dem Stadt der Technik“, so Wanger. Daher werden 15 Videokameras eingesetzt – rein für den Kirchtag. Die Aufzeichnungen werden nach dem Gesetz für 72 Stunden gespeichert. „In einer Einsatzzentrale, die in den Räumen des Stadtmarketings am Hans-Gasser-Platz eingerichtet wird, können auf den Monitoren über diese Kameras Stellen ausgemacht werden, an denen es sich zu stauen beginnt. Somit können die Security-Dienste rasch einschreiten, die Menschen umleiten, die Besucherströme lenken“, erklärt Sicherheitsprofi Wagner.

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Villach ist eine kleine Stadt, richtet aber das größte Brauchtumsfest Österreichs aus. Es braucht ein Sicherheitskonzept und dieses braucht Updates.

Herbert Wagner, Sicherheitsexperte

Sicherheitsexperte Herbert Wagner und Kirchtagsobfrau Gerda Sandriesser
Sicherheitsexperte Herbert Wagner und Kirchtagsobfrau Gerda Sandriesser(Bild: Christina Natascha Kogler)

Einsatzkräfte der Polizei aus ganz Kärnten werden in der Kirchtagswoche und beim Trachtenfestzug Dienst versehen. „Am Anfang der Woche natürlich weniger, dann mehr – in etwa 100 in Zivil und in Uniform“, so Stadtpolizeikommandant Erich Londer. „Helikopter, Drohnen, ein Boot auf der Drau – die Polizei ist also zu Land, zu Wasser und in der Luft vertreten.“

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Polizeiwagen fahren mit dem Kennzeichen hinter der Scheibe, denn von der Kennzeichenhalterung werden die Tafeln bei solchen Veranstaltungen oft gestohlen.

Erich Londer, Stadtpolizeikommandant

Kern des Konzeptes ist ein ständig besetzter Einsatz-Stab, in dem Blaulichtorganisationen und Behörde eng zusammenarbeiten. Erstmals gibt es heuer eine flächendeckende Sicherheitsbeleuchtung samt Notstromversorgung und ein Fahrverbot auf dem Festtagsgelände ab 16 Uhr in stark frequentierten Bereichen. „Hohe Personendichte und Verkehrsaufkommen sind einfach riskant. Mit dem Fahrverbot wird das Risiko minimiert“, so Behördenleiterin Angelika Chmelar. 

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Damit sich die Besucher wohl und sicher fühlen, investieren wir in ein Sicherheitskonzept, das eng mit den Einsatzorganisationen abgestimmt ist.

Gerda Sandriesser, Kirchtagsobfrau und Vizebürgermeisterin

Augenmerk wird auch auf den Brandschutz gelegt: Paletten und Kartons sollen nicht am Festgelände gelagert werden, um die Brandlast zu reduzieren und die Wege freizuhalten. Beim Stadtmarketing können Standler zum Selbstkostenpreis schwer entflammbare Deko wie Kirchtagsherzen kaufen.

Erster Umzug ohne Pferde?
Unklar ist derzeit noch, ob beim Trachtenfestzug Pferde dabei sein können:  Wo viele feierwillige, winkende, rufende, ausgelassen feiernde Menschen und Tiere zusammentreffen, besteht eine gewisse Gefahr, die Pferde könnten scheuen und in ihrer Angst Menschen verletzen. „Ein Sachverständiger prüft das. Sein Gutachten steht noch aus. Wir werden rechtzeitig erfahren, ob die Pferde dabei sein können oder nicht“, so Winkler.

Verboten sind natürlich Pyrotechnik, Feuerwaffen, Messer, Reizgas und Ähnliches; diese Gegenstände können Besuchern auch abgenommen werden.

„In der Khevenhüllerschule ist wieder die Anlaufstelle für sexualisierte Gewalt“, so Kirchtagsobfrau Gerda Sandriesser.

81. Villacher Kirchtag

Am ersten Samstag im August und in der Brauchtumswoche davor wird in Villach Kirchtag gefeiert, heuer von 26. Juli bis 2. August

Mehr als 130 Einzelveranstaltungenzeigen heimisches und ausländisches Brauchtum. Fahrgeschäfte bringen auf der Vergnügungsmeile Nervenkitzel.

Am Kirchtags-Samstag (1. August) erfreut ein bunter Trachtenfestzug mit mehr als 3500 Teilnehmern. Der Umzug startet am Samstag, 1. August, um 15 Uhr an der Kreuzung Pestalozzistraße/Italiener Straße und führt über die Italiener Straße, den Hans-Gasser-Platz, die Postgasse, den 8.-Mai-Platz, die 10.-Oktober-Straße, den Hauptplatz, die Draubrücke und den Nikolaiplatz, wo er sich auflöst. 

Zum Kirchtag gehört (seit den 1990ern wieder) der Jakobimarkt, der um die Villacher Stadtpfarrkirche altes und neues Handwerk präsentiert. 

„Hundertprozentige Sicherheit kann es nie geben. Aber man kann viel machen. Die Kosten der Sicherheit zu hinterfragen, wäre mutig“, so Wagner. Dennoch musste die Stadt Villach im Budget einen Posten dafür vorsehen: Etwa 200.000 Euro stehen für das umfangreiche Maßnahmenpaket bereit.

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