Wegen der ukrainischen Angriffe auf Ölanlagen hat die Internationale Energie-Agentur (IEA) ihre Prognose für Russland gesenkt. Über einen Rekord dürfen sich hingegen die Vereinigten Arabischen Emirate freuen.
In den vergangenen Monaten hat die Ukraine ihre Drohnenattacken auf Russlands Energieanlagen verstärkt. „Anhaltende Angriffe auf Raffinerien, Lager und Transportinfrastruktur untermauern einen schwächeren Produktionsausblick“, teilt die IEA in ihrem Monatsbericht mit.
„Wir haben unsere Prognose für das russische Angebot für dieses und nächstes Jahr entsprechend um 85.000 Barrel pro Tag beziehungsweise 150.000 Barrel pro Tag auf durchschnittlich 8,8 Millionen Barrel pro Tag im Prognosezeitraum gesenkt“ hieß es weiter über das kriegsführende Land.
So legten ukrainische Drohnenangriffe den Betrieb in zahlreichen großen Raffinerien lahm, darunter in den Werken NRSI Norsi, den beiden größten Benzinproduzenten des Landes. Zudem musste die Raffinerie in Saratow die Produktion einstellen. Den Insidern zufolge fehlen derzeit täglich zwischen 40.000 und 45.000 Tonnen Benzin, um den sommerlichen Bedarf zu decken. Dies entspricht einem Defizit von rund 35 Prozent. Im Juni hatte das Minus bei 25 Prozent gelegen. Der tägliche Benzinbedarf in Russland liegt während der Hauptreisezeit im Sommer bei etwa 115.000 bis 120.000 Tonnen.
Engpässe am Markt
Die Folge war ein Anstieg der russischen Rohölexporte. Sie beliefen sich laut IEA im Juni auf 5,8 Millionen Barrel pro Tag – ein Anstieg um 620.000 Barrel pro Tag gegenüber Mai. Die Exporte von Ölprodukten sanken dagegen im Juni um 230.000 Barrel auf 1,91 Millionen Barrel pro Tag. Um Engpässen auf dem heimischen Markt entgegenzuwirken, hat Russland in dieser Woche ein Exportverbot für Diesel verhängt. Dieses ergänzt bereits bestehende Beschränkungen für den Verkauf von Benzin und Kerosin ins Ausland.
Um den Mangel zu bekämpfen, greift die russische Regierung zudem auf Importe zurück. Die Benzin- und Diesellieferungen aus dem benachbarten Belarus erreichten im Juni einen neuen Höchststand. Händlern zufolge werden täglich bis zu 6000 Tonnen Benzin aus Belarus geliefert. Zudem zapft Russland seine strategischen Reserven an und importiert Insidern zufolge erstmals auch Kraftstoff über den Seeweg aus Indien.
Emirate profitieren immens
Die Vereinigten Arabischen Emirate (V.A.E.) haben ihre Rohölförderung im Juni auf einen Rekordstand erhöht. Die Reaktion auf den Iran-Krieg fiel damit deutlich stärker aus, als in den Nachbarländern am Persischen Golf. Das Land förderte im Juni durchschnittlich 4,1 Millionen Barrel pro Tag, wie die Internationale Energieagentur in ihrem Monatsbericht am Freitag mitteilte.
Damit wurde die bisherige Tageshöchstfördermenge von 4 Millionen Barrel aus dem Jahr 2020 übertroffen. Damals hatte das Land während eines kurzen Preiskriegs mit Saudi-Arabien das Angebot erhöht. Die Emirate sind zum 1. Mai 2026 aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ausgetreten. Sie sind damit auch nicht mehr an Förderquoten gebunden.
Abu Dhabi nutzt seine eigene große Flotte und hat auch zusätzliche Schiffe angemietet. Viele der Schiffe hatten ihre digitalen Transponder ausgeschaltet, um das Rohöl unbemerkt aus dem Persischen Golf zu transportieren, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das zusätzliche Rohöl am Weltmarkt dämpfte die Preisentwicklung.
Globales Angebot
Das globale Rohölangebot ist im Juni um 4,1 Millionen Barrel je Tag im Vergleich zum Vormonat gestiegen, berichtet die IEA. Es liegt aber immer noch 9,4 Millionen Barrel je Tag unter dem Vorjahresniveau. Die vorübergehende Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat offenbar zu einem gestiegenen Ölangebot beigetragen. Zudem stiegen auch die globalen Rohölbestände an. Die IEA sieht auch ein niedrigeres Angebotsdefizit im Jahr 2026 als zuletzt.
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