550 Mio. Liter Minus

Absatzkrise: Deutsche Bierbrauer zapfen weniger

Wirtschaft
10.07.2026 17:04

Die Bierbranche im Nachbarland gerät wegen veränderter Trinkgewohnheiten und steigender Kosten immer mehr unter Druck. Während traditionelle Hersteller kämpfen, gewinnen alkoholfreie Alternativen an Bedeutung und verändern den Markt nachhaltig.

Der Trend zu bewussterem und gesünderem Leben macht auch vor der Brauwirtschaft nicht halt – dort verschärft sich die Krise weiter. Der Bierkonsum geht erneut zurück, mit Folgen für Sortiment und Preise im Handel. Nach einem Absatzminus von sechs Prozent im Jahr 2025 schrumpfte der deutsche Biermarkt in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um weitere gut fünf Prozent.

Standorte werden aufgelassen
Für den Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes Holger Eichele ist das ein echter Wendepunkt. „Seit Mai 2019, dem letzten Jahr ohne externe Einflüsse durch die Pandemie oder den Krieg gegen die Ukraine, hat die Branche 550 Millionen Liter Bier verloren. Das entspricht rund 18 Prozent des damaligen Gesamtmarktes“, verdeutlicht er das Ausmaß des Rückgangs. Die Entwicklung hat bereits spürbare Folgen. So kündigte der Braukonzern Warsteiner in Nordrhein-Westfalen einen Kapazitätsabbau um fast ein Drittel an. Die Brauerei in Herford wird geschlossen, und auch der Standort in Paderborn soll stillgelegt werden, falls sich kein Käufer findet.

Änderungen für Biertrinker
Für Verbraucher bedeutet das vor allem weniger breites Angebot. Große Brauereien profitieren davon, dass sie mehr Menge und somit Bier günstiger produzieren können, erklärt Veltins-Chef Volker Kuhl. Besonders mittelständische und kleinere Betriebe geraten dadurch unter Druck. Traditionsmarken bleiben jedoch häufig erhalten, auch wenn die Produktion an andere Standorte verlagert wird. Auch im Handel setzt sich die Marktbereinigung fort. Die Regale seien lange mit Hellbieren „geflutet“ worden, sagt Veltins-Marketing-Manager Fabian Veltins. Gleichzeitig wächst die Vielfalt alkoholfreier Produkte. Deren Umsatzanteil im Handel liegt inzwischen bei mehr als 50 Prozent, während Bier auf unter 22 Prozent zurückgefallen ist.

Mit der Herrenfußball-WM setzte zudem eine neue Rabattwelle ein. Preisnachlässe von bis zu knapp 40 Prozent sollten zum Bierkaufen anregen und Marktanteile sichern. Positive Effekte durch die Weltmeisterschaft blieben für die Bierbrauer aber aus. „Von der Herren-WM hatten wir nichts erwartet und wurden auch nicht enttäuscht“, sagt Eichele. Angesichts hoher Produktionskosten und der anhaltenden Konsumflaute rechnet er mit einer Verringerung der Anzahl deutscher Brauereien. Als Lichtblick nennt er den wachsenden Markt alkoholfreier Biere, in dem Deutschland europaweit eine Spitzenposition einnimmt.

Jüngere Menschen trinken weniger Alkohol
Als Gründe für den anhaltenden Rückgang nennt der Brauer-Bund vor allem die zurückhaltende Kauflaune wegen politischer Unsicherheiten. Dazu kommen die weiterhin schwierige Lage der Gastronomie nach der Pandemie, ein verändertes Freizeitverhalten, das Bevölkerungswachstum, mehr digitale Angebote wie Lieferdienste sowie der Trend, dass jüngere Menschen weniger Alkohol trinken. Auch Niklas Other, Herausgeber des Getränkemarkt-Magazins „Inside“ fasst deshalb zusammen: „Man wird nicht mehr alle Standorte retten können in der Braubranche.“

Die Großbrauerei Veltins konnte ihren Wachstumskurs nur dank der Übernahme der Marke Karamalz fortsetzen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Getränkeabsatz um 1,3 Prozent auf 180 Millionen Liter. Ohne den Zukauf des Malzgetränks von der Brauerei Eichbaum in Mannheim wäre der Absatz hingegen um 2,5 Prozent gesunken. Die Stammmarke Veltins Pils verzeichnete einen Absatzrückgang von 4,3 Prozent, wobei laut Unternehmenschef auch eine Preiserhöhung dazu beigetragen habe.

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