Der einstige Vertraute von Sebastian Kurz, Markus Gstöttner, wurde am Mittwoch als neuer ÖVP-Generalsekretär präsentiert. Inhaltlich wurde wenig gesagt, jedoch stellte Bundeskanzler Christian Stocker klar, dass man die Strukturen der Partei modernisieren und „wahlkampffit aufstellen“ werde.
Gstöttner folgt Nico Marchetti, der am Dienstag überraschend zurückgetreten war. Bundesparteiobmann Christian Stocker bestätigte die Personalentscheidung am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Gstöttner wird diese Funktion am 1. August 2026 übernehmen. Er war McKinsey-Partner, wurde von Ex-Kanzler Sebastian Kurz in die Politik geholt. Sein Schwerpunkt: Wirtschaftspolitik. Zwar genießt Markus Gstöttner in der ÖVP-Basis wenig Bekanntheit, doch wer ihn kennt, spricht von Fleiß und Fachkenntnissen. Er sei ein „unaufgeregter Arbeiter“, heißt es gegenüber der „Krone“.
„Es wird aber auch eine klare Kante brauchen“, so der neue ÖVP-General am Mittwoch bei seiner Vorstellung. Seinen Stil beschreibt er selbst so: „Hart in der Sache, klar in der Argumentation, respektvoll im Umgang.“ Wie lange er im Amt bleiben will? „So lange wie ich der richtige Mann am richtigen Ort bin“, meint Gstöttner. Er werde versuchen, „mein Bestes zu geben“, so Gstöttner, der die ÖVP wieder „kampagnenfähig machen“ möchte. Was genau das heißt, wollte man dann aber nicht erläutern. „Ich glaube, jeder weiß, was eine Kampagne ist“, so der Bundeskanzler.
Ausgesucht hat Gstöttner Kanzler Christian Stocker selbst, das steht ihm auch laut Statut zu. Verdient gemacht haben dürfte sich Gstöttner vor allem bei der Reformpartnerschaft, die er koordiniert hat. Dass Stocker ausgerechnet einen Ex-Vertrauten von Kurz als Parteimanager installiert, ist interessant. Hohe ÖVP-Funktionäre deuten das als Versuch, etwas Neues auszuprobieren. Gstöttner ist quasi die Anti-These zu Marchetti. Er kommt nicht aus den Parteistrukturen. Bisher hielt er sich – abgesehen von seiner Zeit als Landtagsabgeordneter in Wien – eher im Hintergrund auf. Mit ihm soll die Volkspartei ihr „wirtschaftspolitisches Profil“ wieder schärfen.
ÖVP als „politisches Zuhause“
Angesprochen auf sein Naheverhältnis zu Kurz, betonte Gstöttner, dass er prinzipiell „christlich-sozial“ sei, die ÖVP sei sein politisches Zuhause: „Unter Kurz, unter Schallenberg, unter Nehammer und unter Stocker!“
Was die kolportierten, teils umstrittenen Kontakte von Sebastian Kurz und die Gerüchte um ein politisches Comeback angeht, betonte Stocker, man sehe das „sehr entspannt“: „Sebastian Kurz hat mehrfach klargestellt, dass er seine Zukunft in der Wirtschaft sieht. Jeder kann sich mit jedem unterhalten, das steht allen zu.“
Markus Gstöttner, geboren am 9. August 1986 in Wien.
Für Gstöttner selbst war das kurzfristige Jobangebot vom Kanzler eine „Überraschung“. Lange nachgedacht habe er darüber aber nicht, wie er bei seiner ersten Pressekonferenz als designierter Generalsekretär verriet. Der Wechsel sei auch nicht lange geplant gewesen. Er selbst stehe „für eine christlich-soziale Politik, die die Würde des Menschen im Fokus“ habe. „Mit Markus Gstöttner folgt nach der Stabilisierungsphase jetzt die Mobilisierungsphase. Er bringt diese Fähigkeiten mit und hat Expertise in Wirtschaft und Politik“, fand auch Bundeskanzler Christian Stocker lobende Worte.
Mit Ende Juli wird Marchetti offiziell seine Funktion als Generalsekretär der Partei zurücklegen, er soll Nationalratsabgeordneter und Bildungssprecher der Partei bleiben. Zuletzt war der 36-jährige Wiener, der im Februar 2025 nach dem Wechsel von Alexander Pröll in die Regierung zum Generalsekretär der ÖVP aufgestiegen war, innerparteilich zunehmend unter Druck geraten.
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