Einmal quer durch die Hölle und wieder zurück – so oder ähnlich könnte man das aufregende und bei weitem nicht friktionsfreie Leben des Bluesers John Lee Hooker jr. betrachten. Vor seinem Auftritt mit Van Morrisson und Ronnie Wood auf der Burg Clam nimmt er die „Krone“-Leser noch einmal mit auf eine Zeitreise.
Wenn man die Homepage von John Lee Hooker jr. besucht, sieht man ihn in der Bildergalerie beim Handauflegen, inmitten von Gefangenen in einer Justizanstalt oder dabei, wie er jemanden bei einem Eisbad beisteht. Reverend John Lee Hooker jr., wie er sich mittlerweile nennt, verknüpft seine musikalischen Fähigkeiten als Blues- und Gospel-Liebhaber mit einer zwischenmenschlichen Mission. Er will den Hoffnungslosen Hoffnung bringen, besucht Kranke in Krankenhäusern, spendet Obdachlosen Trost und unterstützt Gefangene bei der Wiedereingliederung in der Gesellschaft. Der oft so verwerflich verwendete Terminus „Wanderprediger“ trifft auf den mittlerweile 74-Jährigen durchaus zu. Während der im deutschen Cloppenburg beheimatete Musiker für gewöhnlich als musikalischer Seelsorger unterwegs ist, wird es zwischendurch auch immer wieder mal die große Bühne. So wie nun am 16. Juli auf der Burg Clam im Vorprogramm von Van Morrison und Rolling Stones-Gitarrist Ronnie Wood. Wohl fühlt er sich auf beiden so gegensätzlich wirkenden Polen der Öffentlichkeit.
Sohn einer Allzeitgröße
Die Rolling Stones begleitete Hooker jr. 2017 schon beim legendären Gig im steirischen Spielberg, wie er der „Krone“ im Interview erzählt: „Keith Richards ließ mir damals eine Nachricht zukommen, dass er mich gerne sehen würde und so haben wir uns backstage getroffen und uns miteinander unterhalten. Er meinte, ich würde genauso aussehen wie mein Vater und dann durfte ich dort vor gefühlt 100.000 Menschen auf die Bühne – Hallelujah!“ Der 2001 in Kalifornien verstorbene Senior gilt als einer der legendärsten Blues-Songwriter und -Gitarristen der Genre-Historie und hat eine einst so freche Jugendtruppe wie die Rolling Stones nachhaltig inspiriert. Während der Vater zur Kultfigur des Delta Blues wurde, wählte der Junior eher den leichtfüßigeren Weg gen Detroit- und Chicago-Blues. Über die Jahre teilte er die Bühne mit Größen wie Lenny Kravitz, B.B. King, Canned Heat oder nun eben dem nordirischen Raubein Van Morrison.
Wie passen eigentlich der Blues, die Musik des Teufels, und der himmlische Gospel zusammen? „Teufelsmusik ist das ja nur aufgrund der Texte“, so Hooker jr., „ich singe den Gospel so gerne, weil er modern und zeitgemäß ist und sich trotzdem immer die Spuren des traditionellen Blues darin befinden. Gott hat mein Leben für immer verändert, er hat mir das Leben eigentlich erst geschenkt.“ Seine erfolgreiche Solokarriere startete das „Nepo-Baby“ tatsächlich erst mit seinem Debütalbum „Blues With A Vengeance“ 2004. Die Jahrzehnte davor war Hooker jr. schwer drogen- und alkoholabhängig, landete wegen diverser Vergehen ein ums andere Mal im Gefängnis, verdingte sich zuweilen als Maurer und Straßenfeger und stand mit eineinhalb Beinen in der Obdachlosigkeit. Gerettet hat ihn erst eine durch Drogenmissbrauch eingeleitete Nahtoderfahrung samt zehntägigem Aufenthalt im Krankenhaus und anschließender Gerichtsverhandlung.
Kampf gegen die Albträume
2001 verstarb sein legendärer Vater und bekam gar nicht mehr richtig mit, dass dem Sohnemann noch die große Kehrtwende gelingen sollte. Vor etwas mehr als 20 Jahren lernte er auch seine heutige Ehefrau kennen, zog von Amerika nach Deutschland und begann ein komplett neues Leben. „Ich bin per Internet und Telefon mit meiner Familie verbunden, aber um kein Geld der Welt würde ich in die USA zurückkehren“, sagt er äußerst bestimmt, „ich habe dort Menschen gesehen, die getötet wurden. Es gibt Amokläufe und völlige Irre. Ich war kurz davor, auf der Straße zu landen. Meine Narbe auf meiner Nase holte ich mir bei einem brutalen Messerkampf ab. Ich habe noch heute Albträume, die mich dahingehend verfolgen. Mittlerweile bin ich Kaplan. Ich verbreite die Kunde von Jesu Christi und predige in unterschiedlichen deutschen Kirchen. Jesus und dem Glauben habe ich alles zu verdanken. Dadurch habe ich erst wirklich zu leben begonnen.“
Mittlerweile ist er sogar zweifach Grammy-nominiert und hat mit seiner prekären Vergangenheit längst reinen Tisch gemacht. „Ich war früher selbst der Teufel und in ein paar richtig üble Machenschaften verwickelt. Ich versuche, gar nicht mehr zu viel daran zu denken, weil es nichts mehr bringt.“ Wenn Hooker jr. von seinem Leben und seiner religiösen Erweckung spricht, zitiert er gerne detailgetreu aus der Bibel und erklärt, warum dieses göttliche Manifest ihn von allen negativen Fesseln befreien konnte. „Die wichtigste Message ist, dass man sich niemals für das schnelle Leben entscheiden sollte. Das schnelle Leben ist das Leben des Teufels.“ Dass ein Konzert in erster Linie noch immer ein Konzert und keine Predigt ist, ist Hooker jr. bewusst. „Nur ein kleiner Prozentsatz wird sich darüber Gedanken machen, was ich sage und der Rest hoffentlich die Musik genießen, aber das ist okay. Die christliche Liebe wird auch über den Klang verbreitet.“ Eine Rock’n’Roll-Messe wird es auf jeden Fall – und früh genug kommen zahlt sich aus. John Lee Hooker jr. hat nämlich wirklich den Blues.
Live auf der Burg Clam
Van Morrison, Ronnie Wood samt Band und John Lee Hooker jr. gibt es in geballter Ladung an einem einzigartigen Abend am 16. Juli live auf der Burg Clam zu sehen. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten für dieses kultige Top-Ereignis.
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