Alter entscheidend

Immer mehr Frauen kämpfen mit Unfruchtbarkeit

Wissen
07.07.2026 00:30
Porträt von krone.at
Von krone.at

Immer mehr Frauen weltweit suchen wegen Fruchtbarkeitsproblemen medizinische Unterstützung. Weil sich die Lebensumstände und Einstellungen vieler junger Menschen verändern, planen Frauen vermehrt, erst später Kinder zu bekommen. Besonders ab 35 Jahren kann das jedoch zur Herausforderung werden.

Im Jahr 2023 waren geschätzt rund 54 Millionen Frauen im Alter von 35 bis 49 Jahren von Unfruchtbarkeit betroffen. Bis zum Jahr 2036 könnten es rund 80 Millionen werden, wie ein überwiegend chinesisches Forschungsteam berechnet hat.

Tendenz, später Kinder zu bekommen
Eine Ursache sehen die Forschenden darin, dass viele Frauen erst in deutlich höherem Alter als früher Kinder bekommen möchten – und es dann wegen altersbedingter Unfruchtbarkeit nicht mit einer Schwangerschaft klappt. Vor allem wohlhabendere Länder seien betroffen, in denen Frauen durchschnittlich später Kinder bekommen.

Geringere Wahrscheinlichkeit für Schwangerschaft ab 35
Weltweit hätten etwa acht bis zwölf Prozent der Paare Fruchtbarkeitsprobleme, heißt es in der Studie, die im Fachjournal „The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women“s Health“ veröffentlicht wurde. Ab einem Alter von 35 Jahren nähmen die Eizellreserve und die Qualität der Eizellen deutlich ab, erklärte Beda Hartmann von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien. Im Zuge dessen sinke die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft.

Aufgrund längerer Studienzeiten, wirtschaftlicher Unsicherheit und Jugendarbeitslosigkeit ...
Aufgrund längerer Studienzeiten, wirtschaftlicher Unsicherheit und Jugendarbeitslosigkeit streben viele Frauen erst später an, Kinder zu bekommen – der Kinderwunsch bleibt bei immer mehr Menschen daher unerfüllt.(Bild: phpetrunina14 - stock.adobe.com)

Karriere oder Reisen werden wichtiger
„Menschen bekommen Kinder in höherem Alter aufgrund längerer Studienzeiten, wirtschaftlicher Unsicherheit und Jugendarbeitslosigkeit“, erklärte Eva Beaujouan von der Universität Wien gegenüber dem deutschen Science Media Center. Zudem werde in jüngeren Jahren anderen Aktivitäten wie etwa der Karriere oder Reisen Vorrang eingeräumt. Einen Einfluss hätten auch Faktoren wie die höhere Lebenserwartung und Veränderungen bei Werten und Einstellungen, so die Professorin für Demografie, die selbst nicht an der Studie beteiligt war.

Verlässliche Kinderbetreuung würde helfen
Umkehren lasse sich der Trend vermutlich nicht – aber vielleicht stabilisieren. Ein Staat müsse dafür ausreichend in verlässliche Kinderbetreuung und unterstützende Infrastruktur investieren, „sodass jede Person, die Kinder haben möchte, dies in dem von ihr gewünschten Alter tun kann“.

Experte: Mehr Interesse an Social Egg Freezing
Hartmann geht davon aus, dass in den nächsten Jahren das Interesse an sogenanntem Social Egg Freezing zunehmen wird. Darunter versteht man das vorsorgliche Einfrieren unbefruchteter Eizellen für eine Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt. „Der Erfolg einer Schwangerschaft ist maßgeblich abhängig vom Alter der Eizelle.“ Zu empfehlen sei, die Eizellen bereits mit 25 Jahren einzufrieren. In Österreich wird derzeit auch über eine Altersgrenze für das Einsetzen von Eizellen diskutiert.

Forschende werteten Daten aus 204 Ländern aus
Für die Studie hatte das Forscher-Team über eine Suche in Fachliteratur und Datenbanken Angaben aus 204 Ländern und Regionen von 1990 bis 2023 ausgewertet. Wie präzise die präsentierten Werte tatsächlich seien, lasse sich nur schwer beurteilen, weil Methodik und insbesondere die Hochrechnung nicht ausreichend beschrieben seien, gab die Wiener Expertin Beaujouan zu bedenken. Zweifel habe sie unter anderem an den Daten aus Österreich, die „viel zu hoch“ wirkten.

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