Festnahmen auch in Ö

Menschenhandel: Über 2000 Opfer identifiziert

Österreich
06.07.2026 20:58
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Zuge einer von Österreich und Rumänien geleiteten internationalen Aktion gegen Menschenhandel sind in 59 Ländern insgesamt 1024 Verdächtige festgenommen und 2070 mutmaßliche Opfer identifiziert worden. Hierzulande befreiten Ermittler 17 mutmaßliche Opfer, nahmen acht Verdächtige fest und forschten zwei weitere aus.

Die europäische Polizeiagentur Europol, Interpol und die EU-Grenzschutzagentur Frontex unterstützten und koordinierten das Unternehmen, das von 8. bis 12. Juni über die Bühne ging, so das Bundeskriminalamt am Montag in einer Aussendung. Dabei gingen die Behörden vor allem gegen Menschenhändler zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Ausbeutung durch Bettelei sowie der Ausbeutung zur Begehung strafbarer Handlungen vor. Zu diesem Zweck kontrollierten sie vor allem Bordelle, Laufhäuser, Studios, Wohnungen, Hotels sowie stark frequentierte öffentliche Plätze.

Die Zentrale von Europol in Den Haag
Die Zentrale von Europol in Den Haag(Bild: Klemens Groh)

Im Inland standen 211 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Sie kontrollierten 947 Personen, 118 Lokale und Wohnungen sowie zahlreiche Fahrzeuge und Dokumente. Dabei wurden fünf Ermittlungen wegen Menschenhandels eingeleitet, fünf weitere Personen wegen anderer Delikte festgenommen sowie rund 68.000 Euro Bargeld, Mobiltelefone und Suchtmittel sichergestellt.

Frauen mit „Loverboy-Methode“ zur Prostitution gezwungen
Besonders gravierende Fälle wurden in mehreren Bundesländern aufgedeckt. In Oberösterreich soll eine Ungarin nach Österreich gebracht und in der illegalen Hotelprostitution ausgebeutet worden sein. Zwei Landsleute wurden festgenommen, das mutmaßliche Opfer einer Schutzeinrichtung übergeben. In Tirol ermitteln die Behörden wegen des Verdachts, dass zwei Rumäninnen mit der sogenannten „Loverboy-Methode“ in die Prostitution gezwungen wurden. Auch in Salzburg wurde eine mutmaßlich zur Prostitution gezwungene Rumänin identifiziert.

Die „Loverboy-Methode“

Dabei gibt sich der Täter als liebevoller Partner aus, um das Vertrauen seines Opfers zu gewinnen und es emotional von sich abhängig zu machen. Nach einiger Zeit beginnt der Täter mit der Manipulation. Er behauptet etwa, Geldsorgen zu haben oder Schulden begleichen zu müssen, und überredet das Opfer, „vorübergehend“ als Prostituierte zu arbeiten. Im Falle einer Weigerung droht Gewalt.

Viele Opfer aus lateinamerikanischen Staaten, Moldau und Nepal
Die Mehrheit der von den anderen Staaten identifizierten Opfer kam laut der Nachrichtenagentur dpa aus Staaten wie Argentinien, Kolumbien, Venezuela sowie der Republik Moldau und Nepal. Viele seien über Grenzen hinweg verschleppt worden, nachdem sie getäuscht, genötigt oder aufgrund ihrer prekären Lage ins Visier genommen worden waren, teilte Interpol mit.

Bereits im Vorfeld hatten Ermittler mithilfe von Internetrecherchen verdächtige Plattformen, mutmaßliche Täter und potenzielle Opfer identifiziert. Bundeskriminalamtsdirektor Andreas Holzer sprach von einem Beleg für die enge internationale Zusammenarbeit: Nur durch den grenzüberschreitenden Informationsaustausch könnten Menschenhändler-Netzwerke wirksam zerschlagen und Opfer geschützt werden.

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