Ein Linzer Kinderarzt warnt vor den körperlichen Folgen des Medienkonsums für Kleine. Schlechter Schlaf, trockene und juckende Augen, Kurzsichtigkeit, Nacken-, Rücken- und Haltungsprobleme – was früher typische Leiden von Bildschirmarbeitern waren, trifft nun schon die Kleinsten.
„Viele Kinder und Jugendliche, die seit ihrer Geburt mit Bildschirmen in Kontakt sind, kommen jetzt mit Problemen zu uns. Diese Entwicklung beginnt zeitlich auffällig parallel zur breiten Nutzung von Smartphones und Social Media“, so Primar Gerhard Nell, Abteilungsleiter der Kinder- und Jugendheilkunde am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
Früher ermahnten die Eltern die Kinder nicht so viel in den Fernseher zu glotzen bzw. aufs Handy zu starren. Durch den Generationswechsel ist es mittlerweile eher umgekehrt, stellt auch Facharzt Nell fest: „Die Generation, die derzeit Eltern wird, ist schon ganz selbstverständlich mit Smartphones aufgewachsen. Da beobachten wir öfter, dass schon Säuglinge in ihren Bettchen mit einem Tablet beruhigt werden. Das ist kein Vorwurf an die Eltern, aber eine Beobachtung unseres Alltags.“
Eltern sensibilisieren
Aufgabe der Ärzte und Pfleger sei es dann, die Eltern dafür zu sensibilisieren, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: „Unter drei Jahren sollte Bildschirmnutzung vermieden werden, abgesehen von kurzen Ausnahmen zum Beispiel bei Videotelefonaten mit Familienangehörigen“.
Gerade in den ersten Lebensjahren ist das Gehirn auf direkte Beziehung, Sinneserfahrungen und reale Interaktion angewiesen. Durch den frühen Einsatz von Bildschirmen besteht die Gefahr, dass Kinder zentrale Entwicklungsschritte nicht oder verzögert erleben: „Kleine lernen über Blickkontakt, Sprache, Berührung, Bewegung und gemeinsames Erleben.“
Es gibt vier simple Grundregeln für die Mediennutzung von Kindern: nicht zu früh, nicht zu viel, nicht unbegleitet und nicht als Ersatz für Beziehung, Spiel und Schlaf.
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