Rotes Meer. Wenn Österreich bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen den regierenden Europameister spielt. Wenn es dabei um den Aufstieg in das Achtelfinale geht. Wenn die Wahrscheinlichkeit, das zu schaffen so klein wie die Hoffnung groß ist: Dann mag man so ein Match gerne in großer Runde erleben. Also quetscht man sich in eine Menge von gut 1000 oder eher noch mehr Leuten bei einem schon lange vor Beginn der Übertragung wegen Überfüllung gesperrten Public Viewing. Und freut sich, welche Österreich-Begeisterung Österreicher entwickeln können. Das kennen wir ansonsten eher nur von den Fans in jenen Ländern, gegen die wir spielen. Gestern Abend aber: Beim Public Viewing mitten in Österreich, fast 10.000 Kilometer vom Spielort Los Angeles entfernt, entsteht Stadionatmosphäre wie bei einem Heimspiel im Wiener Happel-Oval. Mindestens. Fast alle in roten oder rot-weiß-roten Trikots – ein rotes Meer gewissermaßen. Bei der Vorstellung der Mannschaften lauter Jubel für unsere Spieler, gellende Pfiffe für die Spanier. Bei der Hymne singen alle mit. Was kann da noch passieren?
Nummer zu groß. Anpfiff mit der Leberkässemmel in der einen, dem Bier in der anderen Hand – ja, was kann da noch passieren. Die Fans laut und lauter, immer wieder singen sie „Immer wieder, immer wieder Österreich“. Der so genannte „zwölfte Mann“, der hier beim Public Viewing fast zur Hälfte weiblich ist, steht voll hinter unserem Team. Und hofft, dass nichts passiert – was in Minute 17 fast geschehen wäre, nämlich ein spanisches Tor, es passiert neun Minuten später. Die Fans hier zuhause geben deshalb noch lange nicht auf. Mit 0:1 im Rückstand in die Pause – es hätte mehr passieren können. In der 66. Minuten folgt das befürchtete 0:2, die Fans in Wien ahnen, dass das hier heute Abend eher kein Jubelfest mehr werden wird. Sie beginnen zu realisieren, dass wir einander in der nächsten Woche nicht wieder in diesem Rahmen treffen werden – beim Achtelfinale der Fußball-WM. Oder drehen wir doch noch einmal ein verloren scheinendes Spiel so wie Sonntag früh gegen Algerien in der allerletzten Minute? Noch wäre fast eine halbe Stunde Zeit dafür… Nein, das haben wir diesmal nicht geschafft. Kurz vor Spielschluss ist auch noch das 0:3 passiert. Das tut weh. Die Fans hier beim Public Viewing bleiben freundlich… Das rote Meer zieht ab, unser Team fliegt heim. „Eine Nummer zu groß“ titeln wir heute in all jenen „Krone“-Ausgaben, die wir mit diesem späten Spiel noch erreicht haben (aktuelle Berichte finden alle in unseren ePaper-Ausgaben, auf krone.at und in der Sportkrone-App). Ja, die Spanier sind groß, wohl bei weitem nicht nur für Österreich zu groß, wohl groß genug, um Weltmeister zu werden. Dann wäre uns diese Niederlage eine Ehre!
Kommen Sie gut durch den Freitag!
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