„Was geschah, hätte niemals passieren dürfen.“ Der noch amtierende britische Premier Keir Starmer hat sich am Donnerstag erstmals stellvertretend für den Staat bei Müttern und Kindern, die zwischen 1949 und 1976 in England und Wales von Zwangsadoption betroffen waren, entschuldigt.
Es habe sich nicht um Einzelfälle, sondern um Praktiken gehandelt, die systemisch gewesen seien in den kommunalen Behörden, so der Labour-Politiker. Die Behörden seien mit Macht über das Leben der Menschen ausgestattet worden, hätten sie aber „ohne Mitgefühl, ohne Mitbestimmung, ohne Würde und ohne angemessene Schutzmechanismen“ ausgeübt.
Unverheiratete Frauen wurden aufgrund damaliger gesellschaftlicher Vorstellungen unter Druck gesetzt, ihre Kinder abzugeben. Bereits vor Jahren forderte der Gemeinsame Ausschuss für Menschenrechte (Joint Committee on Human Rights) laut dem Sender Sky eine Entschuldigung des Staates. Dem vorausgegangen war demnach eine Untersuchung, bei der etwa mit Betroffenen und Fachleuten gesprochen worden war.
„Leid von Hunderttausenden Müttern endlich anerkannt“
Die Initiative Movement for an Adoption Apology sprach der Nachrichtenagentur PA zufolge nun von einem wichtigen Schritt „für die Hunderttausenden von Müttern, die noch immer mit ihrem Verlust leben und deren Leid endlich anerkannt wurde“ – auch wenn die Entschuldigung viel zu spät komme. In den vergangenen Jahrzehnten machten viele betroffene Mütter ihre Erfahrungen öffentlich und berichteten laut PA etwa von Schamgefühlen, mit denen sie bis heute leben.
Nun Entschädigungsforderungen erwartet
Starmer ist nicht der erste Regierungschef, der sich in dieser Form an Betroffene wendet. Auch in Wales, Schottland und Australien gab es in den letzten Jahren offizielle Entschuldigungen seitens der Regierungen. Erwartet werden nun britischen Medienberichten zufolge Forderungen nach Entschädigungszahlungen.
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