Aktivist spielte Musik

Starmers Rücktrittsrede von Beethoven übertönt

Außenpolitik
22.06.2026 17:41

Er verhalf der Labour-Partei im Jahr 2024 nach 14 Jahren Opposition zu einem historischen Wahlsieg. Doch seither ging es im Grunde bergab für Keir Starmer. Seine Partei erlitt zuletzt verheerende Niederlagen bei Regional- und Kommunalwahlen, und der Druck von parteiinternen Kritikern stieg von Tag zu Tag. Nun hat der 63-Jährige seinen Rücktritt erklärt. Doch selbst in seiner bittersten Stunde wurde er mit Spott und Häme konfrontiert.

Die äußerst emotionale Rede Starmers – er war mehrmals den Tränen nahe – wurde nämlich immer wieder von lauter Musik, die einige Straßen weiter aus Lautsprechern ertönte, gestört. So wurde eine ernste Rede ins Lächerliche gezogen. Die zahlreichen Zuseherinnen und Zuseher vor den Fernsehschirmen konnten nicht alles verstehen, da die Musik zu laut wurde.

Aktivist: „Das war ein Zeichen des Respekts“
Bei genauerem Hinhören konnte man Beethovens „Ode an die Freude“ heraushören. Britischen Medien zufolge sorgte ein bekannter Aktivist für die unerwünschte musikalische Untermalung mit der offiziellen Hymne der Europäischen Union. Steve Bray (siehe X-Posting unten) erklärte wenig später, das sei eigentlich ein „Zeichen des Respekts“ gewesen. „Das war meine Art, ihm alles Gute zu wünschen“, so Bray, der in der Vergangenheit immer wieder als großer Kritiker des Brexits in Erscheinung getreten war.

Nach der Rede Starmers legte Bray dann noch einen Protestsong mit dem Titel „We All Live in a Brexit Tragedy“ – basierend auf der Melodie des Beatles-Hits „Yellow Submarine“ – auf. Dem optimistischen Lied über Freundschaft, Zusammengehörigkeit und eine bessere, fantasievollere Welt wurde dabei ein Text voller Enttäuschungen über die wirtschaftlichen, politischen oder gesellschaftlichen Folgen des EU-Austritts entgegengestellt.

Starmer verspricht geregelte Übergabe
Die Briten sind es seit dem Brexit-Referendum vor zehn Jahren gewohnt, dass sich die Regierungschefs die Klinke in die Hand geben. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger Starmers wird bereits die siebente Person auf dem Posten innerhalb der vergangenen zehn Jahre sein. Starmer kündigte an, alles dafür zu tun, einen geordneten Machtwechsel sicherzustellen und seinem Nachfolger volle Unterstützung zu geben. Die künftige Regierung werde ein Großbritannien übernehmen, das – so Starmer – stärker und gerechter sei als noch vor zwei Jahren.

Starmers parteiinterner Rivale Andy Burnham gilt als klarer Favorit, insbesondere seitdem er am Freitag einen Sitz im Parlament gewann, was ihm eine formale Kandidatur für den Parteivorsitz ermöglicht. Sollte Burnham der einzige Kandidat für den Labour-Vorsitz bleiben, werde die Übergabe der Amtsgeschäfte als Parteichef bis etwa zum 18. Juli abgeschlossen sein können, meldete die Nachrichtenagentur PA. Die formelle Ernennung zum Premier muss durch König Charles III. erfolgen.

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