Graz verbrennt Müll

GAW-Chef legt Beschwerde gegen „Energiewerk“ ein

News aus Graz
30.06.2026 18:00

Mit der geplanten Müllverbrennungsanlage will man Fernwärme produzieren und unabhängiger von Gas werden. Doch die benachbarte Firma GAW sieht jetzt „Fehler“ beim positiven UVP-Bescheid.

Um das geplante Großprojekt in Graz wird es nicht ruhig. Das „Energiewerk Graz“ um 250 Millionen Euro soll ja Ende des Jahres im Gemeinderat beschlossen werden. Man will damit 180 Gigawattstunden Fernwärme pro Jahr produzieren und so unabhängiger von Gas werden. Über ein Förderband soll vorsortierter Müll von der Sturzgasse in die neue Anlage transportiert werden, wodurch es zu keinen zusätzlichen Wegen kommen soll, heißt es. Anfang Juni gab das Land Steiermark mittels positivem UVP-Bescheid (Umweltverträglichkeitsprüfung) grünes Licht – die „Krone“ berichtete.

Doch es regt sich weiter Widerstand. Der Industrielle Jochen Pildner-Steinburg, dessen Firma GAW in unmittelbarer Nähe des geplanten Werks steht, befürchtet ja mehr Lkw-Fahrten. Denn es wurde bekannt, dass große Müllmengen sogar aus Deutschlandsberg und Bruck-Mürzzuschlag nach Graz transportiert werden sollen – die Holding Graz hat Verträge mit den jeweiligen Abfallwirtschaftsverbänden geschlossen. Davor war stets vom Grazer Zentralraum die Rede.

GAW-Chef Pildner-Steinburg hat nun Beschwerde gegen den UVP-Bescheid beim Land Steiermark eingelegt. Die Kritik: Dass sämtlicher Abfall, der künftig verbrannt werden soll, schon jetzt am Standort in der Sturzgasse vorhanden sei und keine zusätzlichen Fahrten nötig seien, stimme nicht. So gehe aus dem Geschäftsbericht der Holding hervor, dass in Graz rund 50.000 Tonnen Restmüll pro Jahr anfallen – und 50.000 Tonnen Siedlungsabfälle (Bio-, Metall-, Plastikmüll etc.). Dieser zweite Teil darf nicht verbrannt, sondern muss wiederverwertet werden. Das würde im UVP-Bescheid unerwähnt bleiben, bemängelt die GAW.

10.000 Lkw-Fahrten mehr?
Die neue Verbrennungsanlage ist für bis zu 118.000 Tonnen Restmüll geplant. 50.000 Tonnen verursacht Graz also selbst, doch der fehlende Anteil müsse eben von anderswo kommen. Wenn dieser Teil zugeliefert wird – aus anderen Bezirken – dann ergibt das laut GAW nicht rund 8000 Lkw-Fahrten weniger (laut Holding), sondern 10.000 zusätzliche Fahrten.

Das Land hat jetzt zwei Monate Zeit, der Beschwerde stattzugeben oder das Bundesverwaltungsgericht entscheiden zu lassen.  

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