Elke Kahrs Kronprinz

„Wann werden Sie Bürgermeister, Herr Krotzer?“

News aus Graz
29.06.2026 19:00

Der kommunistische Sieg in Graz liegt nicht zuletzt an der Person Elke Kahr. Der 39-jährige Robert Krotzer steht als ihr Nachfolger fest. Aber tritt er das große Erbe bereits vor der nächsten Wahl an?

Die KPÖ fuhr am Sonntag mit über 35 Prozent einen fulminanten Sieg in Graz ein. Elke Kahr ist und bleibt Bürgermeisterin der zweitgößten Stadt Österreichs – zumindest vorerst. Mehrmals betonte die 65-Jährige vor der Wahl, dass die Familie an erster Stelle stehe. Ihr Mann Franz Stephan Parteder ist 78. Wenn sich Kahr entscheidet, zu gehen, wird wohl Stadtrat Robert Krotzer nachrücken. Am Tag nach der Wahl sprach die „Krone“ mit ihm.

„Krone“: Werden wir in den nächsten fünf Jahren einen Bürgermeister  Krotzer erleben?
Robert Krotzer:
 Wer Elke Kahr kennt, weiß, dass sie ihre Sache zu 120 Prozent macht. Klarerweise wird sie nach so einem Ergebnis dieses auch annehmen. Ich hoffe, noch sehr lange an der Seite von Bürgermeisterin Elke Kahr mitarbeiten zu dürfen. Ich habe von ihr enorm viel gelernt. Ich wünsche Elke, dass sie noch bei guter Gesundheit und mit der Freude ihre Arbeit machen kann, die sie für den Job aufbringt.

Das heißt, Ihr Ziel ist das Bürgermeisteramt 2031?
Bis dahin ist es noch weit. Und es ist zuallererst eine Entscheidung der Partei. Aber es ist nicht grundlos, dass ich auf dem zweiten Listenplatz der KPÖ kandidiert habe, diese Logik kann ich nicht bestreiten. 

Wieso ist die KPÖ in Graz so stark?
Das hat mit der Arbeitsweise und dem Politikstil zu tun. Wir sehen unsere Arbeit als Dienst an der Bevölkerung. Die Grazerinnen und Grazer haben uns das Vertrauen geschenkt, uns um Probleme zu kümmern. Wir nehmen diesen Auftrag ernst.

Wie sehen die nächsten fünf Jahre kommunistisches Graz aus?
Wir haben viele Ideen, es gibt viele Notwendigkeiten, viele Bedürfnisse. Die Wahl wurde vor den Sommer gelegt, damit man im Herbst gleich weiterarbeiten kann. Es gibt in allen Bereichen viel zu tun: Bildung, Soziales, Gesundheit und so weiter … langweilig wird uns nicht.

Zu tun gibt es viel, aber das Geld fehlt. Die Stadt hat knapp zwei Milliarden Euro Schulden und muss sparen.
Es ist nicht zu erwarten, dass von der Bundesregierung eine stärkere Unterstützung für österreichische Städte und Gemeinden kommt, da geht es ja nicht nur Graz so. Judenburg verkauft Gemeindewohnungen, andere verkaufen ihre Schwimmbäder. Es wird die große Aufgabe sein, einen budgetären Konsoliderungskurs in Graz durchzuführen ohne Nachteil der sozialen und öffentlichen Infrastruktur.

Eine Koalition wie bisher scheint gesetzt. Wird es auch Gespräche mit der ÖVP geben?
Wir werden in den folgenden Tagen Gespräche mit allen Parteien führen und einmal abklopfen, wie die Stimmung und Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist. Natürlich werden wir auch mit der ÖVP reden. Wir haben in Graz eine Proporzregierung, die ÖVP hält zwei Sitze im Stadtsenat. Alles andere wäre seltsam.

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