Österreichs Arbeitnehmer waren 2025 durchschnittlich 14,7 Tage krankgeschrieben. Doch welche Krankheiten trieben die Statistik nach oben, welche Bundesländer sind besonders „robust“? Und warum sind Beamte im Schnitt länger krank als andere? Das sind die Details aus dem WIFO-Fehlzeitenreport.
Die Schere zwischen den Geschlechtern klafft weiter auseinander: Frauen fehlten 2025 mit durchschnittlich 15,5 Tagen um knapp zehn Prozent länger als Männer (14,1 Tage). Arbeiterinnen hatten mit fast 20 Krankenstandstagen die meisten Fehlzeiten, männliche Angestellte mit rund zehn die wenigsten.
WIFO-Expertin Christine Mayrhuber sieht die Ursache in der Berufswahl: Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in körperlich und psychisch belastenden Bereichen wie Pflege, Erziehung und Dienstleistung – verbunden mit hohen emotionalen Anforderungen und Doppelbelastungen durch Familie und Beruf. Die Erholungsphasen für Frauen seien oft kürzer.
Auch das Alter spielt eine Rolle bei den Fehlzeiten: Die Krankenstandsquote liegt über alle Altersgruppen bei vier Prozent, bei den 60- bis 64-Jährigen aber bei knapp sieben Prozent, bei Frauen sogar bei 7,2 Prozent. Das ist besonders brisant, da genau diese Gruppe demografiebedingt immer stärker am Arbeitsmarkt beteiligt ist. Die Beschäftigungsquote 60-jähriger Frauen erreichte 2025 bereits in etwa das Niveau der Männer.
Psychische Erkrankungen auf Rekordkurs
Ein alarmierender Trend: Psychische Erkrankungen sind keine Randerscheinung mehr. Ihr Anteil an den Krankenstandstagen kletterte von unter drei Prozent in den 1990er-Jahren auf nunmehr 11,8 Prozent. Zwar machen sie nur 2,9 Prozent aller Krankenstandsfälle aus – aber die Ausfälle sind extrem lang. Mit durchschnittlich 36,7 Tagen pro Fall liegen sie weit über dem Gesamtschnitt von 9,1 Tagen.
„Die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert schont den Körper, fordert aber den Geist“, so die Begründung der Experten. Und sie vermuten, dass die tatsächliche Belastung noch höher liegt. Viele psychische Erkrankungen würden noch immer unter Diagnosen wie Rückenschmerzen oder Magenproblemen „versteckt“.
Kuriose Beamten-Statistik
Ein Blick auf die Bundesbediensteten fördert Überraschendes zutage: Beamte hatten zuletzt über 17 Krankenstandstage im Jahr, Vertragsbedienstete hingegen nur knapp über zehn. Ein Grund: Beamte sind im Durchschnitt deutlich älter – der demografische Effekt ist hier hauptverantwortlich.
Muskel-Skelett-Erkrankungen dominieren
Rund ein Fünftel aller Erkrankten (445.618 Personen) leidet unter Muskel-Skelett-Beschwerden wie etwa Rückenproblemen – mit durchschnittlich 33,4 Fehltagen (gegenüber 19,3 bei anderen Erkrankungen). Mehr als die Hälfte ist länger als 21 Tage ausgefallen.
Besonders alarmierend: Therapeutische Angebote wie Physiotherapie erreichen nur einen kleinen Teil der Betroffenen. Während 94 Prozent zum Hausarzt gehen und 43 Prozent bildgebende Diagnostik nutzen, nehmen nur knapp zwölf Prozent physiotherapeutische Leistungen in Anspruch. „Wir haben eine verkehrte Versorgungslogik entdeckt – gute Diagnose, aber keine entsprechende Therapie“, so Mayrhuber.
Die Diskrepanz zwischen den Bundesländern ist bei den Krankenständen gewaltig:
Die Wirtschaftsstruktur erklärt nur einen Teil: Salzburgs geringe Werte werden auf bessere Versorgungsangebote – etwa frühe Psychotherapie – sowie strengere Krankenstandskontrollen zurückgeführt. In Niederösterreich hingegen spielen die Industriearbeitsplätze und eine laxere Kontrollpraxis eine Rolle.
Kosten und Ausblick
Die direkten Kosten der Krankenstände beliefen sich zuletzt auf 6,2 Milliarden Euro (1,3 Prozent des BIP). Dazu kommen Wertschöpfungsverluste von bis zu 8,8 Milliarden Euro. „Drei zusätzliche Arbeitstage, die entfallen, können durchaus über eine kleine Rezession oder ein leichtes Wachstum entscheiden“, warnt WKÖ-Experte Rolf Gleißner.
Die AK fordert daher ein Präventionsgesetz mit verpflichtenden Maßnahmen für Betriebe und mehr Wiedereingliederungsangebote. „Von 500.000 Personen, die mehr als 40 Tage im Krankenstand sind, erhalten nur 19.000 ein Angebot“, kritisiert Wolfgang Panhölzl von der Arbeiterkammer. „Hier gibt es noch viel Luft nach oben.“
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