Nach Hitzeschock
Bevölkerung soll helfen, Schienen freizukratzen
Die gewaltige Hitzewelle hat Leipzigs Straßenbahnverkehr massiv ausgebremst – und nun setzen die Verkehrsbetriebe auf die Hilfe der Bevölkerung. Weil sich durch die extremen Temperaturen Fugenmasse auf den Gleisen verteilt hat und den Betrieb behindert, werden Freiwillige aufgerufen, beim Säubern der Schienen mitanzupacken. Rund 100 haben das schon getan.
Seit Samstag kämpfen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) gegen die Folgen der außergewöhnlichen Hitze. Nach Angaben des Unternehmens sind vielerorts Fugenmassen für Asphalt und Beton durch Temperaturen von nahezu 40 Grad flüssig geworden, in Weichen und Schienen gelaufen und dort verklumpt. Das Ausmaß der Schäden sei „enorm“.
Nachdem zahlreiche Hilfsangebote aus der Bevölkerung eingegangen waren, organisierten die LVB für Dienstagnachmittag einen Arbeitseinsatz an der Haltestelle Goerdelerring. Seit 14 Uhr sollten Freiwillige dabei helfen, die verhärtete bzw. übergequollene Fugenmasse aus den Gleisen zu entfernen.
Bitte eigenen Spachtel mitbringen
Die Verkehrsbetriebe baten die Helferinnen und Helfer, alte Kleidung sowie feste Schuhe zu tragen. Wer kann, sollte außerdem Arbeitshandschuhe, eine Warnweste und einen Spachtel mitbringen. Auch eine Unterlage für die Knie sei hilfreich. In ihrem Aufruf in den sozialen Medien bedanken sich die LVB bereits im Voraus: „Jede helfende Hand bringt uns alle schneller ans Ziel.“
Rund 100 Freiwillige seien dem Aufruf gefolgt und hätten kraftvoll mit angepackt. „Das zeigt, dass wir eine funktionierende Gesellschaft sind“, so einer der Helfer. „Wir sind wirklich gerührt und unglaublich dankbar, dass heute so viele von euch gekommen sind“, reagierten die LVB mit einem Video auf ihrem Instagram-Kanal.
Schaden gewaltig, aber erste Fortschritte
Die Folgen der Hitze hatten den Straßenbahnverkehr in Leipzig am Samstag und Sonntag nahezu vollständig zum Erliegen gebracht. Nach Angaben der LVB arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seitdem rund um die Uhr – auch nachts – daran, Weichen zu reinigen und die Straßenbahnen wieder einsatzbereit zu machen.
Erste Fortschritte gibt es inzwischen: Seit Montagabend verkehrt die Straßenbahnlinie 1 wieder im Pendelbetrieb zwischen der Endhaltestelle Lausen und der Innenstadt. Seit Dienstagmittag fährt auch die Linie 11 im 20-Minuten-Takt zwischen dem S-Bahnhof Connewitz und dem Wilhelm-Leuschner-Platz.
Noch kein Plan, wann Verkehr wieder normal fließen kann
Trotz der ersten Teilinbetriebnahmen bleibt das Straßenbahnnetz weiterhin stark eingeschränkt. Vor allem der zentrale Bereich rund um den Bahnhofsvorplatz ist nach Angaben der LVB noch nicht passierbar, wodurch der Innenstadtring weiterhin nicht an das Straßenbahnnetz angeschlossen werden kann.
Wann der reguläre Straßenbahnbetrieb im gesamten Leipziger Netz wieder aufgenommen werden kann, ist derzeit noch offen. Die Verkehrsbetriebe betonen jedoch, dass mit jeder freigegebenen Strecke ein weiterer Schritt zurück zum Normalbetrieb geschafft werde und die Arbeiten mit Hochdruck fortgesetzt werden.









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