Der ORF hat seinen Werbechef Oliver Böhm fristlos abberufen. Eine interne Compliance-Prüfung kam zu dem Schluss, dass eine Weiterbeschäftigung nicht möglich sei. Nach Böhm könnten nun auch weitere ORF-Manager im Zuge der laufenden Untersuchungen unter Druck geraten.
Nach der Trennung von Generaldirektor Roland Weißmann geht das Köpferollen nun weiter. Wie der ORF am Montag bestätigte, wurde der ORF-Enterprise-Chef Oliver Böhm von Generaldirektorin Ingrid Thurnher mit sofortiger Wirkung abberufen. Das war das Ergebnis einer Untersuchung schwerwiegender Vorwürfe durch die interne Compliance-Stelle.
Sie ist eine interne Stelle in Unternehmen, die gewährleistet, dass alle gesetzlichen Vorschriften, behördlichen Vorgaben und internen Richtlinien eingehalten werden.
Bereits im April hatte Thurnher Böhm beurlaubt und eine Überprüfung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe durch die ORF-Compliance-Stelle eingeleitet – die „Krone“ hat berichtet. An der Untersuchung waren auch externe Experten beteiligt. Diese ist inzwischen abgeschlossen. Der ORF erklärte dazu, die Prüfung habe ergeben, „dass in mehrerlei Hinsicht Verhalten an den Tag gelegt wurde, das eine Weiterbeschäftigung im Unternehmen unmöglich macht“.
Keine genauen Angaben zu den Vorwürfen
Welche konkreten Vorwürfe gegen Böhm erhoben wurden, ist weiterhin nicht bekannt. Diese sollen jedenfalls nicht im Zusammenhang mit sexuellem Fehlverhalten stehen. Der ORF verweist auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte sowie auf den Schutz der betroffenen Mitarbeiter und nennt daher auf Nachfrage keine weiteren Details.
Oliver Böhm leitete die ORF-Enterprise seit 2013. Sie ist für die Vermarktung aller überregionalen ORF-Fernsehsender und Radiostationen sowie der digitalen Angebote, des Teletexts und der „Nachlese“ verantwortlich. Außerdem übernimmt sie den internationalen Vertrieb von ORF-Produktionen. Damit erwirtschaftet die ORF-Enterprise Einnahmen von rund 200 Millionen Euro pro Jahr. Im Transparenzbericht des ORF zählte Böhm zuletzt zu den drei bestbezahlten Führungskräften des Unternehmens.
Bis zur Bestellung einer neuen Geschäftsführung wird die ORF-Enterprise weiterhin von Prokurist und Finanzchef Heinz Mosser und Prokuristin Dorit Wolkenstein geleitet. Der ORF erklärte, er „wird zeitnah die Weichen für die Bestellung einer neuen Geschäftsführung der ORF-Enterprise stellen“.
Weiteres Zittern im ORF
Womöglich wird es auch für andere ORF-Manager diese Woche eng – denn nachdem Ingrid Thurnher die Führung übernommen hatte, wurde ja eine große Compliance-Initiative gestartet. Diese Untersuchungen sollen nun abgeschlossen und im Transparenzbeirat besprochen werden. Es dürften dabei einige Geschmacklosigkeiten aufgedeckt werden. Auch der umstrittene Gagen-Kaiser Pius Strobl muss zittern, immerhin gingen zahlreiche Meldungen und Hinweise an die Meldestelle ein und der Medienmanager wurde von Thurnher freigestellt.
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