Weißmann bestreitet

ORF-General tritt nach Belästigungsvorwurf zurück

Medien
09.03.2026 08:50

Paukenschlag am Küniglberg: ORF-General Roland Weißmann tritt mit sofortiger Wirkung nach 31 Jahren im Unternehmen von seinem Posten zurück. Grund sind Vorwürfe sexueller Belästigung einer Mitarbeiterin – die Weißmann via Anwalt bestreitet. Bis auf weiteres soll ein ORF-Urgestein den Posten übernehmen ...

Die Vorwürfe wegen „unangemessenen Verhaltens“ stammen aus dem Beginn seiner Amtszeit 2022. Die Mitarbeiterin, die sie erhoben hat, sei dem Stiftungsrat bekannt. Weißmann bestritt die Vorwürfe der sexuellen Belästigung kategorisch, gestand nur eine kurze, einvernehmliche Bekanntschaft vor seiner Wahl zum Generaldirektor ein. Es soll sich nicht um eine Moderatorin oder ein bekanntes TV-Gesicht handeln. 

Weißmann sei mit dem Rücktritt, just eine Woche vor seinem 58. Geburtstag, einem Ultimatum zuvorgekommen, das ihm das höchste Aufsichtsratsgremium des öffentlich-rechtlichen Senders gestellt haben soll. Aus ORF-Kreisen heißt es, er habe die Vorwürfe auch in einer internen Fragerunde bestätigt. Weißmann selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, via Anwalt widerspricht er aber vehement. „Obwohl mein Mandant den Vorwurf bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte, hat er am Sonntag um 11.45 Uhr seinen sofortigen Rücktritt erklärt“, so Oliver Scherbaum. Wohl, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden ... Zugleich kündigte der Jurist rechtliche Schritte an, da die Vorgehensweise des ORF, „wie auch die Wiedergabe der Vorwürfe durch Dritte, massiv die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten verletzen.“

Bis Mai müssen die Nominierungen zur Wahl des ORF-Chefs am Tisch liegen – nun steht Roland ...
Bis Mai müssen die Nominierungen zur Wahl des ORF-Chefs am Tisch liegen – nun steht Roland Weißmann im Zentrum eines Belästigungsskandals.(Bild: Andreas Tischler)

Intrige vor der Wahl zum Generaldirektor?
Dass der ORF via Aussendung die Vorwürfe der Öffentlichkeit bekannt machte, stößt beim Juristen und seinem Mandanten auf Unverständnis. „Die mediale Verbreitung der nicht aufgeklärten Vorwürfe kann nur als überschießende Reaktion gewertet werden, da bereits eine Einigung mit der betreffenden Mitarbeiterin erzielt wurde.“ Zu Mittag will der Stiftungsrat selbst eine Stellungnahme abgeben. Per Aussendung gab man folgendes bekannt: „Es ist die Verantwortung des ORF-Stiftungsrats, nun rasch die nötigen Schritte zu setzen, damit die erhobenen Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können und die reibungslose Fortführung der Geschäftsführung garantiert ist. Mit der von uns als Generaldirektorin vorgeschlagenen Ingrid Thurnher ist dies sichergestellt“, so der Vorsitzende Heinz Lederer. „Mit der entschiedenen Vorgangsweise zeigt der ORF-Stiftungsrat, dass er auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt“, ergänzt Stellvertreter Gregor Schütze.

Fix ist, dass ORF-Moderatorenlegende Ingrid Thurnher interimistisch übernehmen soll, da sie „aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in leitenden redaktionellen Funktionen und nun seit mehr als vier Jahren im Direktorium den ORF hervorragend führen“ werde.

Pikant ist, dass die Vorwürfe, die vier Jahre zurückliegen, ausgerechnet jetzt bekannt werden: Bis Mai müssen die Namen für die Wahl zum neuen ORF-Chef am Tisch liegen, bisher hatte alles auf ein Wiederantreten von Roland Weißmann gedeutet. Er galt auch als Favorit. Anwalt Scherbaum ortet „eine Intrige, bezeichnenderweise wenige Monate vor der Wahl“. Die erfolgt im August durch den Stiftungsrat. 

„Definitiv eine Null-Toleranz-Politik“
Es ist nicht der erste Belästigungsskandal im ORF: So zog etwa eine ehemalige ORF-Managerin vor Gericht, weil sie sich diskriminiert gefühlt hatte, nachdem sie Mobbing und sexuelle Belästigung durch einen Vorgesetzten öffentlich gemacht hatte. Damals musste auch Roland Weißmann vor Gericht aussagen. „Wir haben definitiv eine Null-Toleranz-Politik gegenüber sexueller Belästigung“, gab der nun selbst im Fokus stehende ORF-Chef damals zu Protokoll ...

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