Bewegend und bildstark

Bachmannpreis: Lena Schätte als große Gewinnerin

Kärnten
28.06.2026 15:30

Bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur ganz groß abgeräumt - mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und zwei weiteren Auszeichnungen – hat die Deutsche Lena Schätte. Aber auch Magdalena Schrefel aus Niederösterreich steht als erlesene Siegerin auf dem Stockerl.

Ein fleckenloses Hochfest der Sprache, der Körperlichkeit und Innenschau  feierten die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur von 23. bis 28. Juni in Klagenfurt bei tropischen Außentemperaturen. „Dieser Bewerb wird in die Bachmann-Preis-Annalen als Jahrgang der Wasserflecken und Faszination für die Unterschicht eingehen“, befindet der nach zwölf Wettbewerbsjahren „freudvoll bis gelassen scheidende“ Jury-Vorsitzende Klaus Kastberger in seiner lauten, pointierten Art.

Leise, präzise, poetisch und fast schon nebensächlich öffnet die 42-jährige Niederösterreicherin Magdalena Schrefel ihr Sprachlabor für das autofiktionale Ringen einer Frau mit dem Brustkrebs. Fazit: Der mit 7500 Euro dotierte 3sat-Preis für „Kirschen, Herz mit Verband“.

CS-Intendantin Nadja Kayali, CS-Schreiberin Lena Schätte
CS-Intendantin Nadja Kayali, CS-Schreiberin Lena Schätte(Bild: Wolfgang Handler)

„Vater ohne Sohn“ von Ozan Zakariya Keskinkiliç ruft meisterhaft zwischen Schuld und Vergebung, Glaube und Zweifel, die großen Fragen des Lebens auf, ohne sie vorzuführen. Dafür wird der 37-jährige Deutsche mit dem Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) gewürdigt.

Keine Überraschung, (wie alle von uns schon am Samstag vorhergesagten Preisträger) ist eine Auszeichnung für die 43-jährige Kinga Tóth. Die in Waidhofen an der Ybbs lebende Ungarin erliest sich mit ihrem furiosen „OstblockMädl“, das ungarischen Arbeitsmigrantinnen eine unüberhörbare Stimme gibt, den Kelag-Preis (15.000 Euro).

Literarischer Hotspot bei Sommerhitze: Bachmann-Park
Literarischer Hotspot bei Sommerhitze: Bachmann-Park(Bild: Wolfgang Handler)

Und dann kommt Lena Schätte! Wichtig ist das Thema. Bewegend, bildstark und unsentimental ihr Text („Was wir tragen“), der für zwei übergewichtige, ausgegrenzte Freundinnen und eine ambivalente Mutter-Tochter-Beziehung bezwingende, existenzielle Wucht entfaltet.

Drei Preise räumt die Deutsche damit ab: BKS Bank-Publikumspreis (7000 Euro), mit dem das Festival-Schreiber-Stipendium (3000 Euro) des Carinthischen Sommers gekoppelt ist und Ingeborg-Bachmann-Preis (30.000 Euro) der Landeshauptstadt Klagenfurt. „Es fühlt sich an wie ein Fiebertraum“, kann es die 32-Jährige kaum fassen.

Wir gratulieren!

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