50. Bachmannpreis

Das Wort zum Leben bringen

Kärnten
26.06.2026 16:35

Zehn von 14 Autoren haben ihre Texte im Klagenfurter ORF-Theater vorgestellt. Der zweite Lesetag ist am Freitag mit drei starken Positionen besetzt, die als preisverdächtig einzustufen sind, darunter auch der experimentelle Text der Niederösterreicherin Magdalena Schrefel.

Zwar noch etwas zu früh ist es für unseren traditionellen „Krone“-Blick in die Glaskugel auf potenzielle Preisträger. Doch nach zehn von insgesamt 14 Lesungen zeichnen sich bislang zumindest vier Texte ab, die das Zeug zum Gewinnen hätten. Die Latte extrem hoch gelegt mit ihrem „OstblockMädl“ und einer Arbeitsmigrationsgeschichte hat, wie berichtet, am Donnerstag die Ungarin Kinga Tóth. „Ich versuche das Wort zum Leben zu bringen“, betont die 43-jährige Sprachwissenschafterin, Poetin, Illustratorin und Kulturmanagerin, die Deutsch „hier in der Schule“ gelernt hat, im Video. Wie lebendig ihr Klagegesang mit politischen, historischen und popkulturellen Referenzen von ungarischen Überlebenskünstlerinnen ist, die in Österreich einwandern, um hier ein besseres Leben zu finden, begeistert die siebenköpfige Jury fast geschlossen.

Zum Auftakt am Freitag betritt mit Lena Schätte eine 32-jährige Schriftstellerin und Psychiatriekrankenschwester aus Deutschland die Wortarena, um ihre bildstarke Unterschichtsgeschichte „Was wir tragen“ radikal, klar, lakonisch, in einfacher Sprache und mit existenzieller Wucht zwei übergewichtigen, ausgegrenzten Freundinnen und einer ambivalenten Mutter-Tochter-Beziehung in den Mund zu legen.

Der 37-jährige Deutsche Ozan Zakariya Keskinkiliç lässt für „Vater ohne Sohn“ an dessen Stelle einen Liebhaber treten. Sein Schuld-befallener Ich-Erzähler „schöpft aus der literarischen Superkraft Gleichzeitigkeit“, um in vielstimmiger erzählerischer Pracht seinen Platz in vielen Welten zu suchen.

Und auch die 42-jährige Magdalena Schrefel aus Niederösterreich schreibt beeindruckend, außergewöhnlich, kühl und beiläufig aus dem Leben für eine Autofiktion, die als experimentelle Brustkrebs-Vivisektion Sprache zum Versuchslabor und Sätze zum Skalpell macht. Samstag, lesen die letzten vier Autoren. Mit Christoph Szalay (11 Uhr) und Wofgang Popp (12.30 Uhr) gehen zwei Österreicher an den Start.

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