„Wenn er getrunken hat, ist immer das Thema Serbien und Kroatien“, weiß die Zeugin im Wiener Landesgericht. So war es auch am 29. November, als ein Politikstreit völlig eskalierte. Der 57-jährige Angeklagte rammte dem Opfer ein Messer direkt ins Herz. Jetzt muss der Kroate lange in Haft – aber nicht wegen Mordes.
Die Ausgangssituation ist eine, die wohl jeder kennt: Man sitzt gemütlich mit Freunden oder Bekannten zusammen, redet über Gott und die Welt, trinkt dabei das ein oder andere Bier. „Oft ergeben sich gerade bei Politik unterschiedliche Meinungen. Da kommt es oft zu hitzigen Diskussionen oder sogar zum Streit“, so die Staatsanwältin im Wiener Landesgericht.
Jugoslawienkrieg erhitzte Gemüter
Am 29. November 2025 eskalierte das in einer kleinen Wohnung in Wien-Leopoldstadt aber völlig. Der 57-jährige Angeklagte und das spätere Opfer waren an jenem Tag bei einer gemeinsamen Freundin eingeladen. Streitpunkt: Der Jugoslawienkrieg. Der gelernte Stahlbauschlosser, der jetzt vor Geschworenen sitzt, ist Kroate und wurde damals einberufen. Das Opfer kam indes aus Serbien, gehörte dort jedoch zur kroatisch-bosnischen Minderheit. Die gemeinsame Freundin ist Serbin.
Und da fing man nach einem eigentlich feuchtfröhlichen Abend an zu diskutieren. „Es waren alle extrem besoffen“, erklärt Verteidiger Zaid Rauf. „Es ging hin und her. Alle drei haben miteinander gestritten. Es ist eine Eskalation entstanden.“ Dann sei es zwischen dem Opfer und der Serbin zu einer Rauferei gekommen. „Dann zuckt mein Mandant aus. Er geht zur Küchenlade, nimmt das Messer und sticht zu.“
Der Angeklagte stach so wuchtig zu, dass die Klinge bis zum Herz vortrat.
Staatsanwältin im Mordprozess
So fest in den Rücken des Mannes, dass die 25 cm lange Klinge sogar das Herz traf. Er starb noch an Ort und Stelle. „Ich weiß, ich habe den Mann getötet. Es tut mir wirklich leid, dass er tot ist“, meint der Kroate vor Gericht. „Was passiert, wenn man jemanden so in den Rücken sticht?“, stellt die vorsitzende Richterin eine fast rhetorische Frage. „Vielleicht Verletzungen? Ich wollte ihn nur verletzen. Ich habe das Messer aus der Lade genommen und zugestochen. Aus und fertig.“
„Serbien und Kroatien immer Thema“
Die unmittelbare Tatzeugin sagt noch immer merklich aufgewühlt: „Bis heute kann ich mir nicht erklären, aus welchem Grund es zu so einem Streit kommen kann.“ Die Frau weiß aber auch: „Wenn er getrunken hat, ist immer das Thema Serbien und Kroatien.“ Gewalttätig wurde der 57-Jährige aber noch nie – er ist gerichtlich unbescholten.
Bis jetzt: Die Geschworenen verurteilen den Kroaten. Aber nicht wegen Mordes. Der Herzstich ist laut den Laienrichtern eine absichtlich schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Der Mann wird zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt – nicht rechtskräftig.
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