Ein internationales Forschungsteam hat Antikörper gegen das gefährliche West-Nil-Virus entdeckt. Damit könnten neue Therapien und Impfstoffe möglich werden. Zwar verlaufen die meisten Fälle ohne Symptome, doch in schweren Fällen kann das Virus das Nervensystem angreifen und tödlich enden.
Bis heute gibt es weder eine spezifische Behandlung noch eine vorbeugende Therapie. Forscherinnen und Forscher aus dem italienischen Tessin rund um den Immunologen Davide Robbiani haben jetzt Blutproben von Menschen analysiert, die eine West-Nil-Infektion überstanden hatten. Dabei stießen sie auf zwei aussichtsreiche Antikörper: Der erste Antikörper mit der Bezeichnung W010 erwies sich in Tierversuchen als außergewöhnlich wirksam. Bereits geringe Mengen schützten Mäuse vor einer tödlichen Infektion. Der Schutz betraf nicht nur Ansteckungen, sondern funktionierte auch bis zu fünf Tage nach einer Infektion, wenn der Antikörper verabreicht wurde.
Der zweite Antikörper, W014, zeigte eine ungewöhnlich breite Wirkung. Er neutralisierte das West-Nil-Virus und mehrere verwandte Erreger, darunter das Japanische-Enzephalitis-Virus, das Murray-Valley-Enzephalitis-Virus, das St.-Louis-Enzephalitis-Virus und das Usutu-Virus. Auch dieser Antikörper schützte Mäuse vor einer tödlichen Erkrankung. Die Autorinnen und Autoren der Studie, die in der Fachzeitschrift „Immunity“ veröffentlicht wurde, bezeichnen die Antikörper als „vielversprechende Kandidaten für die Entwicklung antikörperbasierter Therapien“.
Auch Fälle in Österreich
Das West-Nil-Virus wird von Mücken übertragen und wurde 2022 erstmals in der Schweiz bei heimischen Mücken nachgewiesen. Der erste lokal von Mücken übertragene Fall beim Menschen wurde im vergangenen Jahr bestätigt. Die meisten Fälle verlaufen ohne Symptome, in schweren Fällen kann das Virus das Nervensystem angreifen, Hirnentzündungen auslösen und zum Tod führen.
Auch in Österreich sind bereits Fälle aufgetreten. 2024 wurden 37 Erkrankungen dokumentiert, darunter 19 Patientinnen und Patienten mit schweren Verläufen.
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