Ein Forschungsteam unter Genfer Leitung hat den Grund für schwere West-Nil-Fieber-Verläufe gefunden: Bestimmte Antikörper erhöhen das Risiko für eine Hirnentzündung um das bis zu 2000-fache, wie eine neue Studie zeigt.
Die Erkenntnisse könnten künftig helfen, besonders gefährdete Personen früh zu erkennen und gezielt zu schützen, wie die Genfer Universitätsspitäler (HUG), unter deren Leitung die Studie durchgeführt wurde, am Freitag mitteilten.
Von Mücken übertragen
Das West-Nil-Virus wird hauptsächlich von Mücken übertragen und war ursprünglich auf tropische Gebiete beschränkt. Aufgrund der Klimaerwärmung breitet es sich zunehmend auch in Europa aus. Zuletzt kam es 2024 zu 34 nachgewiesenen Ansteckungen in Österreich. Im Jahr 2025 gab es drei gemeldete West-Nil-Virus-Infektionen bei Tieren und einen importierten Fall beim Menschen.
Jeder fünfte Infizierte spürt Symptome
Eine Infektion verläuft in rund 80 Prozent der Fälle ohne Symptome. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln grippeähnliche Symptome. Nur bei rund 0,5 Prozent kommt es zu einer schweren Erkrankung, meist in Form einer Hirnentzündung. Diese kann tödlich enden oder schwere neurologische Folgeschäden verursachen.
Für die nun im „Journal of Human Immunity“ veröffentlichte Studie analysierten die Forschenden Daten von 13 internationalen Patientengruppen. Dabei stellten sie fest, dass bei rund 40 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einer schweren Hirnentzündung sogenannte Anti-Interferon-Antikörper im Blut zirkulierten. Bei Personen mit milden oder ganz ohne Symptome konnten diese Antikörper dagegen nicht nachgewiesen werden.
Neue Möglichkeiten für Prävention
„Diese Menschen leben, ohne zu wissen, dass sie auf unsichtbare Weise verletzlich sind“, wurde Studienleiter Alessandro Borghesi von den HUG in der Mitteilung zitiert. Nach Einschätzung der Forschenden eröffnen die Resultate neue Möglichkeiten für die Prävention. So könnten besonders gefährdete Personen – insbesondere Menschen über 65 Jahre – künftig durch ein Screening identifiziert werden. „Dies würde es ermöglichen, Risikopersonen zu identifizieren und präventive Maßnahmen anzupassen“, so Borghesi. Der entdeckte Mechanismus könnte laut den Forschenden zudem auch für das Verständnis schwerer Verläufe anderer Viruserkrankungen wie FSME, Covid-19 oder Grippe relevant sein.
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