Die Kuppel und Mauerreste des Kunsthistorischen Museums, ein halb geschrottetes Auto und ein Gemälde mit acht Meter Höhe und 15 Meter Breite, das in eine Schrotthalde führt: Jeremias Altmann und Andreas Tanzer lassen im Museum Angerlehner das Ende der Welt entstehen.
Es ist einzigartig: Das Museum Angerlehner hat im großen Ausstellungssaal einen Lastkran – und das Künstlerduo „grey time“ – das sind Jeremias Altmann und Andreas Tanzer – lässt sich diese Chance nicht entgehen.
„Wir haben bei einem Schrotthändler ein Auto nach Maß pressen lassen“, sagen die zwei. Der nach Maß zerknautschte VW ist nur ein erster Eyecatcher in der beeindruckenden Ausstellung „Traglast“, die das Künstlerduo im Museum in Thalheim bei Wels entwickelt.
Schrottskulpturen und Industrieruinen
Daneben entdeckt man noch mehr Schrottskulpturen, die ursprünglich als Musikinstrumente entworfen worden sind. Und zahlreiche große, ungerahmte Leinwände. Darunter befindet sich das epochale 14‑teilige Gemälde „Kulturlandschaft“ mit 16 Meter Länge. „Es wurde direkt im Kunsthistorischen Museum begonnen“, sagt Kurator Antonio Rosa de Pauli.
Es zeigt in fotorealistischer Malart Wiener Museen nach einer Zerstörung, man sieht zerbrochene Fassaden vom Belvedere21, Kuppelreste vom Kunsthistorischen oder der Ruinenteile der Albertina, dazwischen entdeckt man beschädigte Kunstwerken.: „Wir sind als Zivilisation immer dem Verfall ausgesetzt“, sagt Tanzer. „Wir fragen mit unserer Arbeit auch: Was ist es wert, dass es übrig bleibt? Wie lange ist etwas Kulturgut, wann ist es Abfall?“, meint Altmann. Genau diese Schnittstelle interessiert sie.
Seit 2013 arbeiten die beiden, die aus Wien und Linz stammen, zusammen und erschaffen in einem ständigen Dialog große dystopische Schrott- und Ruinenlandschaften mit einer Palette aus Grautönen: „Wir sperren uns gemeinsam ein, wenn wir an einem Werk arbeiten – diese sind Ergebnisse intensiver Dialoge zwischen uns.“
Dass das Museum Angerlehner eine große fensterlose Wand bietet, haben sie ebenfalls gleich erkannt. Seit einer Woche malen sie hier an dem monumentalen Werk mit 8 Meter Höhe und 15 Meter Breite – ein Zeitzeugnis, das nach ihren Vorstellungen nicht auf aktuelle Kriege anspielt, sondern vielmehr zum Nachdenken anregen soll, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt.
Am Samstag, 27. Juni, wird das fertige Monumentalgemälde im Museum Angerlehner, Thalheim bei Wels, ab 15 Uhr enthüllt.
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