„Kapazität angepasst“

Werke geschlossen: Autozulieferer strich 800 Jobs

Oberösterreich
13.08.2026 11:30

Autozulieferer Polytec aus Hörsching (OÖ) hat 800 Stellen abgebaut – durch Verkauf und Schließung von zwei Werken sowie durch weitere Effizienzmaßnahmen. „So haben wir unsere Kapazitäten an die Nachfrage angepasst“, sagt der Finanzvorstand zur „Krone“. Das Unternehmen will sich nun unabhängiger von der Autoindustrie machen.

Aderlass beim oberösterreichischen Autozulieferer Polytec: Das Unternehmen hat weltweit rund 800 ihrer zuvor 3600 Stellen abgebaut. Rund 350 Jobs fielen durch den Verkauf des Standortes in Großbritannien im Dezember des Vorjahres weg und etwas mehr als 200 Mitarbeiter mussten gehen, weil Polytec sein Werk im deutschen Weierbach Ende April geschlossen hat. Die restlichen rund 250 Stellen wurden durch „Optimierungen“ abgebaut, wie es heißt. In Österreich beschäftigt das Unternehmen rund 480 Mitarbeiter.

„Wichtig ist, dass man nicht tatenlos zusieht“
Das Zuliefer-Unternehmen Polytec steht damit sinnbildlich für die Krise in der Autoindustrie. „Es ist sehr herausfordernd, aber wir haben uns damit schon arrangiert“, sagt Finanzvorstand Markus Mühlböck im „Krone“-Gespräch. „Wichtig ist, dass man auf die Veränderungen eingeht und nicht tatenlos zusieht.“ Das habe man mit dem Verkauf beziehungsweise der Schließung der beiden Werke gemacht „und so unsere Kapazitäten an die Nachfrage angepasst“, so Mühlböck.

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Wichtig ist, dass man auf die Veränderungen eingeht und nicht tatenlos zusieht.

Markus Mühlböck, Polytec-Finanzvorstand

Umsatz brach um ein Fünftel ein
Diese „Anpassung“ schlägt sich auch im Ergebnis des ersten Halbjahres nieder, das Polytec am Donnerstag vorlegte: Der Umsatz sank um knappe 20 Prozent auf 287,4 Millionen Euro. „Wir haben weniger, aber profitableren Umsatz“, sagt Finanzvorstand Mühlböck dazu. Denn gleichzeitig stieg das Betriebsergebnis von 5,6 auf 8,3 Millionen Euro und der Nettogewinn kletterte von 1,4 Millionen auf 4,7 Millionen Euro.

Polytec will unabhängiger von Autoindustrie werden
In Zukunft will sich das Unternehmen unabhängiger von der kriselnden Automobilindustrie machen. Derzeit liegt der Umsatzanteil abseits des Autogeschäfts – Polytec entwickelt auch Kunststofflösungen für die Mehrweglogistik – bei rund sieben Prozent und geht im Wesentlichen auf einen Kunden zurück. In den kommenden zwei bis drei Jahren soll dieser Umsatzanteil auf rund 30 Prozent steigen. Durch die gesetzlichen Änderungen für Verpackungen sieht Mühlböck „eine große Chance für unsere Produkte.“ Die restlichen 70 Prozent der Erlöse will Polytec aber weiterhin im Automotive-Sektor machen: „Wir sind Automobilzulieferer und möchten das auch bleiben“, sagt der Finanzvorstand.

Von der Politik fordert Mühlböck, dass „sie keine Technologie vorschreibt, sondern das dem Markt überlässt“. Zudem solle weniger reguliert werden, denn das verursache für mittelständische Unternehmen wie Polytec hohe administrative Kosten.

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