Zum ersten Mal ist die Sommerschule heuer für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen Pflicht. 1563 Schüler sind das aktuell in der Steiermark – wo die Meinungen zum Konzept auseinandergehen.
Die Coronapandemie ist Grund dafür, dass die Sommerschule eingeführt wurde – um Lernrückstände in den letzten zwei Wochen vor Schulbeginn etwas aufzuholen. Das Konzept hat sich etabliert, der Besuch war bislang freiwillig. Heuer ist er erstmals für Kinder aus Deutschförderklassen verpflichtend.
In der Steiermark betrifft das von bisher 6042 Anmeldungen 1563 Schüler – bis 19. Juni sind noch Anmeldungen möglich. Österreichweit sind etwa 16.100 Schüler von der verpflichtenden Sommerschule betroffen, heißt es auf Nachfrage im Bildungsministerium. Ein unentschuldigtes Fernbleiben stellt eine Verletzung der Schulpflicht dar. Verwaltungsstrafen bis zu 1000 Euro drohen.
Wenig Zeit, viel Aufwand
„Tropfen auf heißem Stein“„Ich glaube, dass der administrative Aufwand in keiner Relation zum Ergebnis steht, ich halte den Erfolg nach zwei Wochen für sehr gering, es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein“, heißt es aus der Direktion einer steirischen Pflichtschule. Die Lehrkräfte würden die Kinder und ihren Wissensstand nicht kennen. Bis dies soweit sei, wäre die Sommerschule schon wieder um. Der Direktor einer steirischen Mittelschule stößt ins selbe Horn: Die Sommerschule sei ein Mosaikstein, die Probleme würde sie aber bei Weitem nicht lösen.
Von einem anderen Volksschulleiter hört man wiederum, dass die Sommerschule den Kindern „einen besseren Schulstart“ ermögliche. Er kritisiert jedoch, dass Studierende als Lehrpersonen bevorzugt werden. Diese Information hätte man erhalten. „Ich kann nicht vertreten, dass Studierende alleine eine Gruppe leiten“, sagt der Direktor. Er befürchtet, dass der Bund so sparen möchte. Von Seiten des Bildungsministeriums heißt es, dass ein Schreiben an pensionierte und aktive Lehrkräfte sowie an Lehramtsstudierende erging. Studenten würden nicht bevorzugt, erklärt man. Man freue sich aber, dass die Sommerschule „auch in diesem Jahr von Studierenden gerne angenommen wird“. Der besagte Lehrer bleibt bei seiner Aussage und sorgt sich, dass Studenten zu viel alleinige Verantwortung übertragen werde.
193 steirische Standorte, vieles sei „Neuland“
In der Steiermark stehen heuer 847 Lehrpersonen und 422 Studierende zur Verfügung. Sie werden an 193 Standorten unterrichten. Zusätzlich helfen sogenannte Buddys aus. „Mit der verpflichtenden Sommerschule für außerordentliche Schülerinnen und Schüler betreten wir Neuland“, sagt Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner. Die Vorbereitungen mit den Schulen würden jedenfalls laufen, die Informationen an die Eltern wären in verschiedenen Landessprachen ergangen.
Deutschförderklasse heißt: 15 Wochenstunden Sprachtraining in der Primarstufe in eigenen Klassen, 20 Wochenstunden in der Sekundarstufe. Im Vergleich dazu stehen Deutschförderkurse – im Ausmaß von 6 Wochenstunden parallel zum Unterricht.
Bei jenen Kindern aus Deutschförderklassen ist das Ziel vor allem der Spracherwerb. Im Zuge dessen betont der steirische Neos-Klubobmann Niko Swatek erneut: „Deutsch ist der Schlüssel für echte Bildungschancen. Trotz zusätzlicher Bundesmittel gibt es in der Steiermark weniger Deutschförderlehrkräfte und weniger Landesmittel. Kinder mit Nachholbedarf brauchen mehr Unterstützung – nicht weniger.“ Die Debatte ist, wie berichtet, komplex. Swatek kritisiert, dass Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) um 37 Prozent weniger Mittel zur Deutschförderung zur Verfügung stellt. Hermann entgegnet, dass die Steiermark Dienstposten stets überzogen habe und dies weiter tue. Am Papier sind es trotzdem weniger Ressourcen, weil das Land sparen muss.
Der Bedarf ist jedenfalls groß. Ab 2027 will Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) auch Kinder aus Deutschförderkursen (siehe Infobox) verpflichtend in die Sommerschule schicken.
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