Erst am Sonntag gewann Regierungschef Albin Kurti mit seiner linksnationalen Partei Vetevendosje die vorgezogene Parlamentswahl im Kosovo. Tags darauf reiste er bereits nach Wien, wo er Bundeskanzler Christian Stocker traf. Der rot-weiß-rote Regierungschef hat seinem Gast weiterhin entschlossene Unterstützung auf dem Weg in die EU zugesichert.
„Voraussetzung dafür sind Reformen, politische Kompromissbereitschaft und konkrete Fortschritte im Dialog mit Serbien“, wurde der Bundeskanzler am Dienstag in einer Aussendung zitiert. Insbesondere in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und öffentliche Verwaltung gebe es Handlungsbedarf. Einen öffentlichen Pressetermin gab es nicht.
Um die Vorteile der EU für die Menschen im Kosovo schon vor einem EU-Beitritt spürbar zu machen, fordere Stocker, dass die Verhandlungen über die Aufnahme in die Roamingzone rasch abgeschlossen werden. Außerdem solle das Land „so schnell wie möglich“ dem Europäischen Zahlungsraum (SEPA) beitreten. Die kosovarische Unterstützung der EU-Sanktionen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sei „Beweis dafür, dass sich der Kosovo zu unseren europäischen Grundwerten bekenne“.
Europaministerin: „Kosovo stärkt auch Sicherheit Österreichs“
Europaministerin Bauer hob den Sicherheitsaspekt für Österreich hervor. „Wer Stabilität am Westbalkan stärkt, stärkt auch die Sicherheit Österreichs und Europas. Deshalb wird Österreich Kosovo auf seinem europäischen Weg weiter verlässlich begleiten“, wird sie zitiert. Österreich stellt seit 1999 Soldaten für die Friedensmission KFOR im Kosovo. Aktuell seien dort 155 österreichische Soldaten stationiert. Stocker und Bauer versicherten Kurti, dass dieses Engagement fortgesetzt werde.
Der Besuch Kurtis kam überraschend schnell, nachdem seine Partei erst am Sonntag in den kosovarischen Parlamentswahlen erneut gewonnen hatte. Am Montag nahm Kurti schon am Vienna Economic Forum teil. Auch wenn Kurtis Partei im Vergleich zur letzten Wahl im Dezember 2025 Einbußen hinnehmen musste, erzielte sie knapp 43 Prozent der Stimmen. Im Dezember waren es noch 51 Prozent gewesen. Es fanden zum dritten Mal innerhalb von nur 16 Monaten Parlamentswahlen statt.
Keine einfache Regierungsbildung erwartet
Kurti kündigte nach der Parlamentswahl die Absicht an, demnächst Gespräche mit allen Parlamentsparteien aufzunehmen. Der Weg zu einer neuen Vetevendosje-Regierung dürfte aufgrund der Wahlresultate kein einfacher sein. Die Neuwahl war notwendig geworden, nachdem es dem Parlament aufgrund des fehlenden Konsenses nicht gelungen war, fristgemäß einen neuen Präsidenten des Kosovo zu wählen.
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