Über zehn Jahre ist die Folter nun her, die zig Häftlinge im syrischen Ar-Raqqa erfahren mussten. Im Wiener Landl erinnern sich die Ersten im Zeugenstand an die Grausamkeiten zurück. Dort sitzen ein General und ein Oberleutnant des damaligen Assad-Regimes vor dem Schöffensenat – mit Gewalt wollen sie jedoch nichts zu tun haben.
Der Mitte 50-Jährige nimmt gefasst im Gerichtssaal Platz. Das, worüber er in den nächsten Minuten sprechen muss, ist schwere Kost. Der Syrer wurde am 9. April 2011 in der Stadt Ar-Raqqa festgenommen. „Ich wurde angehalten, weil ich an Demos teilgenommen habe und sie mitorganisiert habe. Außerdem war ich Mitglied der syrischen Volkspartei“, lässt er im Wiener Landl übersetzen. Und damit auch ein Dorn im Auge des damaligen Assad-Regimes.
„Diese Momente machen mir bis heute Angst“
In einem Kaffeehaus klickten für den Mann damals die Handschellen. „Meine Augen waren verbunden.“ Dann wurde er in den Stützpunkt des Allgemeinen Geheimdienstes gebracht – in den 2. Stock. „Diese Momente machen mir bis heute Angst. Ich wurde in ein kleines Zimmer gebracht. Es war ein Büro.“ Das Büro des Erstangeklagten, dem damaligen Leiter des Geheimdienstes.
Mit „fliegendem Teppich“ gedroht
Dort sei er zum ersten Mal geschlagen worden. „Ich musste dann nach hinten schauen und wurde gefragt, ob ich weiß, was das Ding ist.“ Gemeint ist das Foltergerät „fliegender Teppich“. „Der General hat dann gesagt, entweder ich lege ein Geständnis ab, oder es wird bei mir angewendet“, erinnert sich der Syrer. Im Keller hätte dann die echte Gewalt begonnen: Der Häftling hätte seine Hose ausziehen müssen, seine Fußsohlen seien mit einem Stromkabel ausgepeitscht worden, immer wieder wurde er geschlagen.
Nach ungefähr zwölf Stunden wurde er dann nach Damaskus überstellt. Und auch dort sei er bis zu seiner Entlassung am 14. April gefoltert worden. „Dann bin ich untergetaucht“, sagt der mittlerweile in Frankreich Lebende.
18-Jähriger erfuhr auch sexuelle Gewalt
Nach ihm betritt ein 32-Jähriger den Gerichtssaal. Er war 18 Jahre alt, als er 2012 einen Maturakurs in Ar-Raqqa besuchte. „Ich wurde vom politischen Sicherheitsapparat festgenommen.“ Auch er sprach im Ermittlungsverfahren schon von massiver Gewalt und Folter. Besonders bedrückend: Gegen den jungen Demonstranten sei auch sexuelle Gewalt ausgeübt worden.
Die Staatsanwaltschaft Wien wirft die Folter der zwei syrischen Männer und zig weiterer Opfer, zwei mutmaßlichen damaligen Befehlshabern des Assad-Regimes vor, denen 2015 Asyl in Österreich gewehrt wurde. Der General und sein Oberleutnant wollen mit den grauenhaften Taten aber nichts zu tun haben. Unter ihrer Aufsicht sei niemals gefoltert worden. In den nächsten Wochen sagen weitere Opfer aus, bevor der Schöffensenat seine Urteile fällt. Es drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.
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