Ehe mit Salzburgerin

Abdul B.: Kein Kontakt zu Österreichs Islamisten

Österreich
28.07.2026 11:07

Der Wirbel war groß, als deutsche Medien enthüllten: Der Berliner Attentäter soll mit einer Frau aus Salzburg verheiratet gewesen sein. Verbindungen zur Islamistenszene Österreichs dürfte Abdul B. aber keine gehabt haben, beruhigen die österreichischen Staatsschützer.

Die Uhr zeige kurz vor 22 Uhr an, als der 21-jährige deutsche Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln am Samstag mit einem Kleintransporter in die Menschenmenge des Christopher Street Days (CSD) raste. Und damit kaltblütig eine 65-jährige Frau aus Polen in den Tod riss sowie 31 Menschen zum Teil lebensbedrohlich verletzte. Am Sonntag wurde Abdul B. bei einem Zugriff der Polizei in einer Kleingartensiedlung erschossen. Davor soll er die Beamten mit einer Stichwaffe bedroht haben.

In einer Gartenlaube musste die Polizei den Attentäter schließlich erschießen.
In einer Gartenlaube musste die Polizei den Attentäter schließlich erschießen.(Bild: Krone-Collage/AFP/JOHN MACDOUGALL, Polizei Berlin, Krone KREATIV)

Später stießen polizeiliche Ermittlungen auf eine Spur, die in die Alpenrepublik führte: Der Attentäter war in den Jahren 2023 bis 2024 eine Ehe nach islamischem Recht mit einer Salzburgerin eingegangen. Laut der Chefin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), Sylvia Mayer, gab es aber keine Verbindung von Abdul B. zur Islamistenszene Österreichs, wie sie im „Ö1-Morgenjournal“ ausführte.

DSN-Chefin Sylvia Mayer
DSN-Chefin Sylvia Mayer(Bild: krone.tv)

Hohe Gefährdungslage in Österreich
Unabhängig davon ist auch in Österreich, wie in vielen anderen europäischen Ländern, eine hohe Gefährdungslage in Bezug auf den islamistischen Terrorismus zu verzeichnen. „Das hat auch der zuletzt veröffentlichte Bericht von Europol gezeigt, der darlegt, dass im letzten Jahr 2025 insgesamt 45 Anschläge in Europa stattgefunden haben in insgesamt zehn Ländern“, so Mayer.

„Niedrige dreistellige Anzahl“ islamistischer Gefährder in Österreich
Derzeit sieht die DSN-Chefin „eine niedrige dreistellige Anzahl“ islamistischer Gefährder in Österreich. Da diese häufig auch nach der Entlassung aus der Haft weiterhin radikalisiert sind, fordert sie, wie Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), den Einsatz von Fußfesseln. Damit könne man die „größerflächige Überwachung dieser einzelnen Personen ermöglichen“, und zudem verhindern, dass diese „bestimmte Örtlichkeiten betreten“.

Nichts konnte den Fanatismus von Abdul B. brechen
Wie hartnäckig sich bei manchen trotz aller Bemühungen die Gehirnwäsche hält, zeigt der Fall von Abdul B. in erschreckender Weise auf. Mehrmals hatte er vergeblich versucht, sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien anzuschließen. Wegen Terrorverdachts saß der Mann hinter Gittern, wollte dort Mitgefangene missionieren und inszenierte sich als „Vorbeter“. Interne Unterlagen kommen zu dem Schluss: Die Haft konnte seinen Fanatismus nicht brechen. Auch das danach auferlegte Deradikalisierungsprogramm trug keine Früchte. Weder habe der Mann kooperiert, noch habe es Zugänge gegeben, schilderte Deutschlands bekanntester Extremismusberater Thomas Mücke der „Bild Zeitung“. Daher sei auch diese Maßnahme nicht geeignet gewesen, lautete das Fazit des Experten.

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