Tierschützer warnen:

Skandal-Viehhändler verschifft weiterhin Rinder

Tierecke
21.07.2026 10:08
Porträt von Tierecke
Von Tierecke

Drama im Mittelmeer: Hunderte Tiere starben auf dem Schiff Spiridon II. Das zuständige österreichische Unternehmen musste sich vor Gericht für die Tragödie verantworten, exportiert aber dennoch weiterhin Rinder nach Algerien, wie der Verein gegen Tierfabriken herausfand.

Im Juni dokumentierten Tierschützer des Verein gegen Tierfabriken (VGT) den Transport von schwangeren Kalbinnen – das sind weibliche Rinder, die noch kein Kalb zur Welt gebracht haben – von drei verschiedenen Versteigerungshallen in Österreich zum slowenischen Hafen Koper. Von dort wurden die Tiere mittels Tiertransportschiff über eine Woche nach Algerien verschifft.

Skandal-Viehhändler weiterhin aktiv
Diese Exporte finden von Oktober bis Juni einmal im Monat statt. Algerien gilt insbesondere aufgrund der tierquälerischen Schlachtmethoden ohne vorherige Betäubung als Tierschutz-Hochrisiko-Staat. Eine der Firmen, die solche Geschäfte zulasten der Tiere organisieren, ist im Waldviertel ansässig und soll auch für die Tragödie, die sich im November auf der Spiridon II im Mittelmeer ereignet hat, verantwortlich sein.

Schockierende Bilder von der Spiridion II: Kälber in Exkrementen liegend.
Schockierende Bilder von der Spiridion II: Kälber in Exkrementen liegend.(Bild: Animal Welfare Foundation)

Gesetze greifen nicht
Damals wurden die Rinder viel zu spät verladen und waren zum Teil hochträchtig. Laut einem Dokument der türkischen Behörden wurden schließlich 140 Kälber während der Reise geboren. 50 von ihnen wurden an Bord gefunden, 90 Kälber waren verschwunden – möglicherweise im Meer entsorgt, vermuten Tierschützerinnen. Doch hier greift kein Gesetz: Die Spiridon II fuhr unter der Flagge des afrikanischen Staats Togo, mit Rindern, die von einem Österreicher verkauft wurden, von Uruguay in die Türkei.

VGT beobachtete Versteigerungen
Basierend auf Marktberichten und „eigenen Wahrnehmungen auf Versteigerungen“, vor allem in Nieder- und Oberösterreich, will der VGT erfahren haben, dass das betroffene Unternehmen auch heute noch regelmäßig einen Gutteil der angebotenen schwangeren Kalbinnen einkauft, um sie nach Algerien zu exportieren.

„Skrupellose Geschäfte!“
VGT Tiertransport-Campaignerin Isabell Eckl: „Der Schock über die Tragödie auf der Spiridon II sitzt uns noch tief in den Knochen. Die schrecklichen Bilder von leidenden, apathischen und sterbenden Rindern und Kälbern in einer dicken Schicht aus Exkrementen sind um die Welt gegangen. Und dennoch exportiert die dafür verantwortliche Firma weiterhin unzählige schwangere Kalbinnen aus Österreich per Schiff nach Algerien. Diese skrupellosen Geschäfte auf Kosten unschuldiger Tiere müssen endlich ein Ende haben.“

Zitat Icon

Wir fordern ein Ende der Tiertransporte in Tierschutz-Hochrisiko-Staaten wie Algerien.

VGT Tiertransport-Campaignerin Isabell Eckl

Tierschützer fuhren Transporter hinterher
Mindestens 20 Tiertransporter seien Anfang Juni bei Versteigerungshallen in Nieder- und Oberösterreich beladen worden, einem davon fuhr ein VGT-Team von Zwettl bis zum Hafen in Koper nach. Die Firma habe selbst keine Zulassung um Langstrecken-Tiertransporte selbst durchführen zu können und müsse daher andere Transportunternehmen mit dem Tiertransport beauftragen, so der VGT.

Eine Woche Fahrt nach Algerien
Mit jedem Lkw seien etwa 30 schwangere Kalbinnen transportiert worden, also insgesamt mindestens 600. Nach bis zu zehn Stunden Fahrzeit seien die Tiere in einen Wartestall am Hafen abgeladen worden, um dann am nächsten oder übernächsten Tag auf das fast 50 Jahre alte Tiertransportschiff „Darla“ verladen zu werden, auf das etwa 1000 Rinder passen. Die Überfahrt nach Algerien dauert etwa eine Woche.

Absurd: Transport soll Ruhepause sein
Laut Gesetz dürfen ausgewachsene Rinder maximal 29 Stunden transportiert werden, dann steht ihnen eine 24-stündige Ruhepause zu. Das Absurde: Die Transportzeit auf dem Schiff gilt offiziell als Ruhepause, daher gibt es keine zeitlichen Beschränkungen für Beförderungen auf dem Seeweg. Und das, obwohl Tiertransportschiffe als die gefährlichste Flotte der Welt gelten. Immer wieder fordern technische Mängel, menschliches Versagen oder der Ausbruch von Tierseuchen zahlreiche Tierleben.

Stilles Leiden auf dem Meer
Doch selbst, wenn der Seetransport ohne Zwischenfälle verläuft, leiden Tiere auf Schiffen beispielsweise unter der stickigen Luft in den unteren Decks, an dem starken Wellengang oder der mangelnden tierärztlichen Versorgung. Konkret zur „Darla“ offenbart der kürzlich veröffentlichte Bericht „The Global Livestock Fleet“ schockierende Erkenntnisse: 310 festgestellte Mängel seit 1998, darunter technische Mängel und zahlreiche Verstöße u.a. gegen Seearbeitsrecht, Schiffsicherheits- und Rettungsvorschriften.

Entenfellner: „Tiere sind keine Ware!“
Auch die „Krone“ macht Langstreckentransporte per Lkw und Schiff immer wieder zum Thema und fordert ein Ende dieser grausamen Praktiken. „Wenn Tausende Tiere wochenlang auf engem Raum ausharren, leiden und sterben, darf das nicht einfach als Kollateralschaden eines Geschäftsmodells betrachtet werden. Tiere sind keine Ware – ihr Schutz muss endlich oberste Priorität haben“, zeigt sich auch „Krone“-Tierecke Leiterin Maggie Entenfellner kämpferisch.

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