Am kommenden Donnerstag ist die nächste Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Währungshüterinnen und Währungshüter hatten den Leitzins im Juni auf 2,25 Prozent angehoben. Fachleute gehen davon aus, dass der Leitzins zunächst auch auf diesem Wert belassen wird. Die nächste Erhöhung könnte im September folgen.
„Nachdem die EZB im vergangenen Monat entschlossen gehandelt hat, besteht keine Eile, die Zinsen in diesem Monat erneut anzuheben. Mehr als 90 Prozent der Ökonomen erwarten, dass die Zinsen bei 2,25 Prozent unverändert bleiben“, sagte Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar. In der September-Sitzung könne der Rat dann mit den neuen Inflations- und Wachstumsprojektionen reagieren, sagte Ulrike Kastens, Ökonomin beim Vermögensverwalter DWS. „Es spricht vieles dafür, dass die EZB im Juli erst einmal wartet.“
Die Inflationsrate im Euroraum lag für Juni bei 2,8 Prozent und damit über dem Ziel der EZB von zwei Prozent. Laut einer Umfrage der Europäischen Zentralbank erwarten die mehr als 5000 befragten Unternehmen für die nächsten Jahre eine Teuerungsrate von drei Prozent. „Die Risikoeinschätzung hinsichtlich der Inflationserwartungen für den Fünfjahreshorizont blieb weitgehend unverändert. Mit 65 Prozent überwog der Anteil der Unternehmen, die Aufwärtsrisiken sahen“, hieß es. Diese Ergebnisse dienen als Orientierungshilfe für den kommenden Zinsentscheid am Donnerstag.
So reagieren Unternehmen auf Unsicherheiten
Der Krieg im Nahen Osten stellt die Firmen laut der Befragung vor erhebliche Herausforderungen. Viele gaben an, alternative Lieferanten zu suchen und in Energieeffizienz zu investieren. Ein Fünftel sagte, die Lagerstände aufgestockt zu haben, 15 Prozent haben Anpassungen bei Versicherungen oder der Handelsfinanzierung vorgenommen. Nur acht Prozent gaben an, ihre Aktivitäten in betroffenen Exportmärkten zu reduzieren oder auszusetzen.
Aufgrund der zunehmend schärferen Rhetorik zwischen dem Weißen Haus und der iranischen Führung sowie den Sorgen um die Sicherheit der Schifffahrtsrouten im Persischen Golf sind die Ölpreise zuletzt wieder angestiegen. Dadurch wird auch ein Anstieg der Inflation befürchtet. Die durchschnittliche Gesamtinflation könnte in diesem Jahr laut der EZB bei drei Prozent liegen, womit die Einschätzung der befragten Unternehmen richtig wäre. Für viele Ökonominnen und Ökonomen ist eine Zinserhöhung in der September-Sitzung (10. September) ein realistisches Szenario. Weitere Sitzungen sind für den 29. Oktober und den 17. Dezember 2026 geplant.
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