Schon fünf Badetote

Was vor solch tragischen Notfällen schützen kann

Kärnten
29.05.2026 12:10

Fünf Badetote an Kärntner Seen binnen drei Wochen, in der erst beginnenden Saison – ein schrecklicher Zufall? Wie kann man sich selbst schützen? Was tun, wenn man einen Notfall bemerkt? Rotkreuz-Präsident Martin Pirz verrät lebenswichtige Tipps.

Eine Serie von tödlichen Badeunfällen gibt den Kärntnerinnen und Kärntnern zu denken: Nach Unglücksfällen am Wörthersee, Ossiacher See und Längsee wurde am Donnerstag ein lebloser 23-Jähriger aus dem Faaker See geborgen – der bereits fünfte Badetote in dieser erst kurzen Saison im seenreichen Bundesland. Ein erschreckender Zufall? Oder könnte man sich schützen?

Ein Herz könne natürlich jederzeit zu schlagen aufhören, gibt Rotkreuz-Präsident Martin Pirz zu bedenken: „Aber die derzeit so markanten Temperaturunterschiede belasten einen Körper schon. In der Früh ist es noch richtig kalt, am Nachmittag hält man die Hitze kaum aus. Das fordert das Herz-Kreislauf-System enorm.“ 

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42 Menschen ertrinken in Österreich pro Jahr - in Kärnten gibt es im Durchschnitt fünf Todesopfer. – Eine Zahl, die heuer schon drei Wochen erreicht wurde.

Todesursachenstatistik (2015-2024)

Je wärmer es ist, umso wichtiger ist das Trinken. „Keine Angst, nicht literweise, sondern regelmäßig und schluckweise trinken. Am besten hat man eine Trinkflasche, die man zwei- oder dreimal am Tag mit Wasser füllt und austrinkt.“ Was vielen der Hausverstand sagt: Ein Tennismatch in der Mittagshitze oder eine steile Radtour in sengender Sonne sind natürlich eine enorme Belastung für den Körper. Was man aber unterschätzen würde, ist die Herausforderung beim Schwimmen. „Schwimmen ist natürlich ein sehr gesunder Sport. Aber wer sich über den Winter wenig bewegt hat und nun eine lange Strecke schwimmen will, löst damit einiges aus in seinem Körper: Beim Schwimmen wird der ganze Körper bewegt, viele Muskeln arbeiten mit; die benötigen viel Sauerstoff, der wiederum mit dem Blut kommt. Also steigert sich beim Schwimmen die Durchblutung, das Herz-Kreislauf-System wird hochgefahren. Somit ist es für den Körper besser, langsam anzufangen und kürzere Strecken zu schwimmen“, empfiehlt Pirz. Selbstüberschätzung könne schlimme, ja tödliche Folgen haben.

Schwimmboje kann die Rettung sein
Pirz, der früher selbst Wasserretter war, appelliert an alle: „Schwimmen Sie in Ufernähe und nehmen Sie zumindest für längere Schwimmstrecken eine Schwimmhilfe, beispielsweise eine Schwimmboje mit. Damit können Sie sich auch einmal ausrasten. Und wer schon einmal einen Krampf im Wasser hatte, weiß, wie wichtig so eine Boje sein kann.“ Krampfen die Beine, während man schwimmt, soll man sich auf den Rücken drehen: So kann man gut atmen und versuchen, den Muskeln zu dehnen.

Hausverstand und Baderegeln
Der Hausverstand und die Baderegeln, die man schon als Kind lernt, sind immer gute Ratgeber: Nicht gleich nach dem Essen eine lange Strecke schwimmen, denn der Körper ist mit der Verdauung beschäftigt, eine Sporteinheit könnte ihm zu viel werden. Nie mit dem aufgehitzten Körper vom Beckenrand oder Ufer oder einem Boot ins kühle Wasser springen. „Immer zuerst die Beine und Arme ins Wasser tauchen, etwas abkühlen, langsam über die Stiege ins Wasser gehen, dem Körper Zeit geben, sich an das kühlere Wasser zu gewöhnen!“

Todesfalle Pool: Kinder IMMER beaufsichtigen!
„Jetzt ist ja auch die Zeit, in der in den Gärten die Pools aufgestellt werden. Als Notarzt fürchte ich Einsätze wegen untergegangener Kinder. Unglücklicherweise kommt es jedes Jahr dazu. Ich kann nur einmal mehr appellieren: Kinder weg vom Wasser! Nur beaufsichtigt dürfen sie am Pool sein! Kinder gehen lautlos unter, sie schreien nicht um Hilfe“, weiß Pirz. 

Schwimmkurse für Kinder, Ersthilfe-Kurse für Erwachsene
Besonders wichtig seien Schwimmkurse für Kinder, denn etwa sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung ab fünf Jahren können nicht schwimmen. Laut einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) schätzt jede vierte Person in Österreich ihre Schwimmkenntnisse als „unsicher“ oder nur „mittelmäßig“ ein. Diese Unsicherheit kann fatale Folgen haben. 

Appell der Wasserrettung

  • Unterschätzen Sie die gefährlichen Temperaturunterschiede nicht!
  • Vorsicht und Eigenverantwortung! 
  • Langsam ans kühlere Wasser gewöhnen!
  • In Ufernähe bleiben!
  • Schwimmhilfe nutzen!
  • Kinder immer beaufsichtigen!
  • Eigene Leistungsfähigkeit richtig einschätzen!
  • Ausreichend trinken, Sonnenschutz verwenden und regelmäßig Schattenpausen einlegen!
  • Am See das Wetter im Blick behalten!
  • Bei Badeunfällen sofort den Notruf 130 wählen. Genaue Ortsangaben machen, Hilfe leisten und vorhandene Rettungsmittel nutzen – ohne sich selbst zu gefährden!

Kommt es zu einem Badeunfall, sind alle gefordert: Jede Sekunde zählt! „Aber man sollte nie zu einem Ertrinkenden schwimmen und versuchen, ihn zu retten. Er zieht einen hinunter. Wasserretter üben regelmäßig Befreiungsgriffe, aber wer diese nicht beherrscht, soll bitte die Retter alarmieren und dann dem Untergehenden einen Rettungsring oder eine andere Schwimmhilfe zuwerfen“, so Pirz. „Selbstschutz geht vor Fremdschutz!“

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