Nur Rätsel und Häme

Jetzt spotten sogar Russen über Putins Wunderwaffe

Ukraine-Krieg
25.05.2026 22:02
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der nächtliche Großangriff auf die Region Kiew in der Nacht auf Sonntag hat erneut schwere Zerstörungen und Tote gefordert – doch ausgerechnet eine jener Waffen, die Moskau immer wieder als nahezu unaufhaltsame „Wunderwaffe“ präsentiert, sorgt nun für Spott aus den eigenen Reihen. Russische Militärblogger zweifeln offen am Nutzen des Einsatzes der Mittelstreckenrakete Oreschnik.

Bei den Angriffen auf die Region Kiew kamen laut ukrainischen Angaben vier Menschen ums Leben. Russland setzte dabei neben zahlreichen Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Kurzstreckenraketen auch eine ballistische Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik ein. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie staatlicher Stellen schlug diese in der rund 200.000 Einwohner zählenden Stadt Bila Zerkwa südlich von Kiew ein.

Wie der deutsche Sender ntv berichtet, soll die Oreschnik erneut mit leeren oder speziellen Test-Sprengköpfen ausgestattet gewesen sein. Der Militärexperte Nico Lange sprach auf X von „Testsprengköpfen“. Auf Videos aus Bila Zerkwa seien mehrere Wiedereintrittskörper mit Submunition zu sehen gewesen, größere Explosionen seien jedoch ausgeblieben.

Kaum Schäden durch Oreschnik gemeldet
Auch ohne klassische Sprengköpfe gilt die Rakete wegen ihrer enormen Geschwindigkeit als gefährlich. Dennoch hielten sich die gemeldeten Schäden offenbar in Grenzen. Der Staatliche Dienst der Ukraine für Notfallsituationen berichtete von drei zerstörten Garagen in Bila Zerkwa und veröffentlichte entsprechende Bilder.

Einige Analysten und Medien vermuteten laut Bericht, dass ein Industriegebiet oder ein militärisch genutztes Flugfeld Ziel des Angriffs gewesen sein könnte. Offizielle ukrainische Angaben dazu gab es allerdings nicht.

Ein Berater des ukrainischen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorow erklärte auf X, die Rakete könne in konventioneller Ausführung „keine sehr schweren Zerstörungen“ verursachen. Die Gefechtsköpfe seien ursprünglich für nukleare Detonationen in der Luft konzipiert worden. Der Angriff diene daher vor allem der Einschüchterung.

Russische Blogger machen sich lustig
Besonders bemerkenswert: Kritik kam diesmal nicht nur aus dem Westen oder aus der Ukraine, sondern auch aus prorussischen Kreisen. Auf einem Kanal des inhaftierten Ultranationalisten Igor Girkin hieß es, die Rakete liefere lediglich einen „coolen Spezialeffekt“, bringe militärisch aber kaum Nutzen.

Der russische Blogger Romanow schrieb auf Telegram sogar von „extrem teurem Metall“, das „sinnlos in den Boden geschossen“ werde. Auch der prorussische Propagandist Alexey Zhiwow stellte öffentlich infrage, welchen konkreten Nutzen der mittlerweile dritte Oreschnik-Einsatz überhaupt gehabt habe.

Der bekannte russische Kanal Rybar erklärte zudem, die Angriffe hätten inzwischen keinen „Wow-Effekt“ mehr. Weil sogenannte Dummy-Geschosse eingesetzt würden und starke Explosionen ausblieben, werde die Wirkung von vielen als praktisch null angesehen.

Moskau spricht weiter von „Wunderwaffe“
Moskau präsentiert die Oreschnik dennoch weiterhin als besonders moderne und kaum abfangbare Rakete. Belege dafür, dass sie tatsächlich von keiner Flugabwehr gestoppt werden kann, gibt es bisher allerdings nicht. Aufgrund ihrer mutmaßlichen Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde gilt ein Abschuss dennoch als schwierig.

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