Moskau in Schockstarre
Als Todes-Drohnen kamen, heulten keine Sirenen
In der Nacht auf Sonntag hat die ukrainische Luftwaffe Moskau und dessen Umland mit einer gewaltigen Drohnenattacke überzogen – ukrainische Medien schreiben gar von der größten seit Kriegsbeginn. Während die Russen völlig verängstigt sind, spielt die Kreml-Propaganda die Ereignisse herunter.
Mehr als 600 Drohnen ließ die Ukraine in der Nacht auf Sonntag weit in das russische Territorium hineinfliegen. Laut offiziellen russischen Angaben starben dabei in Moskau und dessen Umland vier Menschen, 16 weitere erlitten Verletzungen. Neben Wohnhäusern wurde demnach auch Öl-Infrastruktur getroffen.
Dicke Rauchwolken hängen in den zahlreich verbreiteten Videos über der russischen Hauptstadt. Drohnen krachen in Hochhäuser und verwandeln sich in Feuerbälle. Es sind Bilder, welche die als privilegiert geltenden Bewohner Moskaus niemals für möglich gehalten hätten. Immerhin hatte es stets geheißen, Kremlchef Wladimir Putin würde das Kriegstreiben von der Metropole fernhalten.
„Wir fühlen uns elend“
Doch es sollte anders kommen – und das ohne Vorwarnung. „Meine Familie und ich haben von den Ereignissen nur durch Zufall erfahren. Weder heulten Sirenen, noch gab es SMS-Benachrichtigungen. Es begannen einfach in der Nacht Explosionen. Und als wir aus dem Fenster blickten, sahen wir Drohnen“, schildert ein Augenzeuge gegenüber der Vereinigung unabhängiger Journalisten „Bereg“. „Unter meinen Bekannten gibt es zum Glück keine Verwundeten oder Toten. Aber wir fühlen uns elend. Früher schien es, dass Moskau auf jeden Fall geschützt sei“, erzählt er weiter.
Andere schliefen aufgrund des ausgebliebenen Alarms sogar während der Angriffe tief und fest. „Ehrlich gesagt, haben die Kinder und ich geschlafen und alles nur von den Nachbarn erfahren. Sie erzählten, dass es überhaupt keine Sirenen gab, das Haus buchstäblich zitterte und über uns drei Drohnen abgeschossen wurden“, schildert eine Einwohnerin. Scherben seien auf den Kinderspielplatz gefallen. Die gerufenen Einsatzkräfte hätten infolgedessen erklärt, dass nichts Schlimmes passiert sei und nur gelacht. „Den Nachbarn geht es im Moment miserabel – alle sind erschrocken, weil die Drohnen zu uns geflogen sind. Ich persönlich fühle mich einerseits etwas ruhiger als sie, weil die Kinder und ich das alles verschlafen haben. Andererseits ist es schrecklich, daran zu denken, dass wir nichts gehört haben. Hätte eine Evakuierung begonnen, wären wir nicht einmal aufgewacht“, zeigt sich die Russin aufgebracht.
17 laute Explosionen – aber kein Alarm
„Wir wachten gegen 04.10 Uhr morgens durch die Geräusche der Luftabwehr auf – ich schaute auf die Uhr. Es gab etwa 17 laute Explosionen, und drei davon direkt über unserem Haus. Die Katze stellte das ganze Fell auf. Mein Mann versicherte zunächst, dass es nur Donner sei – eine gute, naive Seele. Aber dann wurde klar, dass es solche Gewitter nicht gibt“, schildert eine weitere Einwohnerin. „In unserem Viertel heulte keine einzige Sirene — weder am Sonntag noch jetzt. Wir sind einfach durch das Getöse aufgewacht. Wir sind nicht nach draußen gegangen. Wir saßen zu Hause, im Flur, zwischen zwei Wänden. Unter meinen Bekannten gibt es, Gott sei Dank, keine Verletzten, aber alle sind sehr verängstigt. Ehrlich gesagt, wir haben davon schon mehr als genug. Man wünscht sich, dass auch die Führung des Landes endlich genug davon hat“, meint die Frau betroffen.
Doch beim Verfolgen der russischen TV-Sender wird schnell klar: Der Kreml setzt lieber weiterhin auf das Verbreiten von Lügen anstelle eines Kriegsendes. So fand der Angriff auf Moskau nicht einmal Platz in den wichtigsten Nachrichten des Tages. Der Schrecken in der Hauptstadt wurde nur beiläufig erwähnt – in deutlich abgeschwächter Form.









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