„Keine Entschuldigung“

Gesunde Gebärmutter entfernt: Opfer im Interview

Oberösterreich
08.06.2026 17:20

Einer 30-Jährigen wurde nach einer falschen Krebsdiagnose in Linz im Sommer 2025 die gesunde Gebärmutter entfernt. Im ersten Interview spricht die Patientin über Todesangst und Jobverlust. Sie sucht Unterstützung. Ihr Anwalt bereitet gerade eine Klage vor: „Allein kann ich mich gegen die Klinik nicht wehren.“ 

Ende Jänner machte die 30-jährige Oberösterreicherin ihren Leidensweg via „Krone“ öffentlich. Es geht um eine Pfusch-OP, die österreichweit für Diskussionen sorgte. Nun gibt das Opfer preis, dass sie nicht nur an gesundheitlichen Folgen leidet – sondern auch unter dem Verlust ihres Arbeitsplatzes. Ihr Anwalt Rainer Hable, der bei dem Gespräch in Linz dabei ist, erklärt: „Wenn die Klinik weiter mauert, läuft es auf einen Gerichtsprozess hinaus.“

Routineeingriff
Die junge Frau hatte sich im Juni 2025 auf Anweisung ihres Frauenarztes im Juni 2025 zu einem tagesklinischen Routineeingriff in die Kepler Universitätsklinik begeben. Am 24. Juli wird die Patientin mit einem folgenschweren Befund konfrontiert: Bei einer entnommenen Gewebeprobe sei ein hochaggressiver Tumor festgestellt worden.

Die Ärzte empfehlen ein rasches operatives Vorgehen. Die Patientin fragt, ob es nicht Sinn mache, eine zweite Meinung einzuholen. Dafür bleibe keine Zeit, meinen die Ärzte. Am 5. August kommt es zur Operation: Die gesamte Gebärmutter, beide Eileiter und ein Eierstock werden entfernt. Hinweise auf Metastasen finden sich nicht. Einen Tag später folgt die Entlassung: mit einer Krebsdiagnose, ohne Möglichkeit, Kinder zu bekommen.

Am Kepler Universitäts Klinikum kam es im August 2025 zu einer folgenschweren OP.
Am Kepler Universitäts Klinikum kam es im August 2025 zu einer folgenschweren OP.(Bild: Markus Wenzel)

Hinweise auf Fehldiagnose
Obwohl an der Klinik intern bereits wenige Tage nach dem schwerwiegenden Eingriff erste Hinweise darauf vorliegen, dass es bei der Analyse der Gewebeprobe offenbar zu einer Kontamination gekommen sein dürfte, wird die Frau erst am 16. September von Primarärzten persönlich darüber informiert, dass sie kerngesund ist. An der Krankenakte wird in der Folge noch bis Oktober gearbeitet, erst dann wird sie der Patientin – auf Drängen ihres Anwalts – übermittelt.

Die Klinik stellt sich auf den Standpunkt, dass der Eingriff nach dem aktuellen medizinischen Standard durchgeführt worden sei – Gewebekontaminationen seien eben ein bekanntes, seltenes Risiko. Nun droht ein langer Rechtsstreit.

„Krone“: Nach allem, was Sie in den vergangenen Monaten durchgemacht haben, muss man wohl zuerst fragen: Wie geht es Ihnen heute?
Opfer: Schwer zu sagen. Es gibt gute Tage – und sehr schlechte.

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Es fühlt sich an wie ein langer Albtraum. Irgendwie hofft man, dass man einmal aufwacht.

Patientin

Haben Sie schon realisiert, was Ihnen widerfahren ist?
Ich glaube nicht. Es fühlt sich an wie ein langer Albtraum. Irgendwie hofft man, dass man einmal aufwacht.

Was war das Schlimmste für Sie?
Diese Ungewissheit. Monatelanges Warten. Im Juli kam die Diagnose, dass ich an einem hochaggressiven Krebs erkrankt sei. Erst im September hat mir die Kepler-Klinik die Wahrheit gesagt, dass ich nie krank war. Ich bin fast zwei Monate lang jeden Morgen aufgewacht – und habe geglaubt, ich werde sterben.

Mittlerweile ergibt sich aus den Akten, dass die Kepler-Klinik bereits im August wusste, dass die Krebsdiagnose falsch war.
Mir fehlen die Worte dafür. Wie konnten sie mich so lange dumm sterben lassen?

Hat sich jemals jemand persönlich bei Ihnen entschuldigt?
Nein. Bei mir hat sich bis heute niemand entschuldigt.

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Ich habe massive gesundheitliche Probleme. Die Hormone sind völlig durcheinander – es ist, als kippt man mit 30 plötzlich in die Menopause.

Patientin

Wie hat sich Ihr Leben seither verändert?
Die Kepler-Klinik sagt, ich sei gesund. Ich glaube, die wissen gar nicht, was sie angerichtet haben. Ich habe massive gesundheitliche Probleme. Die Hormone sind völlig durcheinander – es ist, als kippt man mit 30 plötzlich in die Menopause. Und früher wusste ich auch nicht, was Angstzustände und Panikattacken sind – jetzt weiß ich leider, wie sich das anfühlt. Zum Glück bin ich seit kurzem in psychotherapeutischer Behandlung.

Was wünschen Sie sich von der Kepler-Klinik?
Eine Entschuldigung. Die Gewissheit, dass so etwas Schlimmes anderen Frauen nie passiert. Und über meinen Rechtsanwalt habe ich Schadenersatz gefordert.

Wie verlaufen die Gespräche der Anwälte?
Nicht gut. Die Vergleichsgespräche sind gescheitert. Die Kepler-Klinik streitet weiterhin einen Fehler ab und will nicht mehr als 70.000 Euro zahlen. Aber das deckt nicht mal die Kosten, die mir durch diese Katastrophe entstanden sind.

Die Patientin mit ihrem Anwalt Rainer Hable
Die Patientin mit ihrem Anwalt Rainer Hable(Bild: Markus Wenzel)

Wie sieht denn Ihre wirtschaftliche Situation aus?
Ich habe meine Arbeit verloren. Nach dem langen Krankenstand hat mich mein Arbeitgeber gekündigt. Ich habe derzeit weder Arbeit noch Einkommen – nur Krankengeld.

Wie schätzt Ihr Anwalt die Situation ein?
Er sagt, dass die Kepler-Klinik keine ernsthafte Lösung anstrebt, sondern nur auf Zeit spielen will – in der Hoffnung, dass meine Geschichte aus den Medien verschwindet. Die Zeichen stehen daher auf Gerichtsprozess.

Was hat Sie jetzt dazu bewogen, das erste Mal ein Interview zu geben?
Der Schritt in die Öffentlichkeit ist mir sehr schwergefallen. Ich habe lange überlegt. Ich bin ja kein Mensch, der die Aufmerksamkeit sucht. Ich wollte das alles nicht. Aber ich brauche Hilfe. Allein kann ich mich gegen die Kepler-Klinik nicht wehren.

Gibt es etwas, das Ihnen in dieser Situation und vor einem wohl langen Rechtsstreit noch Hoffnung macht?
Ich dachte, dass meine Chance vorbei ist, je einmal Kinder zu haben. Aber jetzt habe ich erfahren, dass in Ausnahmefällen eine Gebärmutter transplantiert werden kann. Ich habe keine Ahnung, ob so etwas bei mir in Betracht kommt. Aber es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für mich.

Haben Sie denn die Kepler-Klinik bereits mit diesem Thema konfrontiert?
Ja, schon im September, als mir die drei Primarärzte endlich die Wahrheit gesagt hatten. Ich war im Schockzustand, konnte nichts sagen. Aber meine Freundin, die mich damals begleitet hat, hatte gleich gefragt, ob man das nicht wieder reparieren könne, die Gebärmutter transplantieren könne.

Und wie fiel die Reaktion der Primarärzte aus?
Sie haben gelacht.

Was haben Sie nun vor?
Freunde haben mir geholfen, eine gofundme-Kampagne einzurichten (https://www.gofundme.com/f/schicksalsschlag-in-linz, Anm.). Damit kann man die Öffentlichkeit um finanzielle Unterstützung bitten. Ich brauche dringend Hilfe, um mir einen sündteuren Gerichtsprozess leisten zu können. Und ich möchte untersuchen lassen, ob mein Hoffnungsschimmer einer Gebärmuttertransplantation Realität werden kann. Ich wäre für jede Unterstützung sehr dankbar.

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