Der Leiterplattenhersteller AT&S hat im Wirtschaftsjahr 2025/26 den Umsatz zwar um 12,7 Prozent auf 1,79 Mrd. Euro gesteigert, aber beim Konzernergebnis einen Verlust von 25,6 Mio. Euro eingefahren. Allerdings rechnet das börsennotierte Unternehmen für das laufende Wirtschaftsjahr währungsbereinigt mit einem Umsatzplus von 30 bis 35 Prozent sowie einem Ergebnis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, prognostizierte der Vorstand am Donnerstag vor Journalisten.
Der Wachstumsschub soll vom aktuellen KI-Boom kommen, merkte AT&S-Chef Michael Mertin an. Die Geschäftsmodelle der Unternehmen seien plausibel, es sei „nichts, was heute oder morgen endet.“ Dementsprechend sollen auch die Kapazitäten angepasst werden. So steigt die Nachfrage eines Großkunden nach High-End-Substraten von AT&S. Daher soll der Standort in Chongqing, China, ausgebaut werden. Die erforderlichen Investitionen im hohen zweistelligen Millionenbereich werden im Rahmen langfristiger Kundenvereinbarungen finanziert, sagte Finanzvorstand Gerrit Steen.
Wachstum dank KI und Rüstungsgeschäft
Insgesamt soll das Investitionsvolumen im laufenden Wirtschaftsjahr auf rund 400 Millionen Euro steigen. Die Nettoinvestitionen gingen 2025/26 um 57 Prozent auf 178,3 Millionen Euro zurück. Wobei der Großteil des Geldes in das neue Werk in Kulim, Malaysia, floss. Ein weiterer Wachstumsbereich ist das Rüstungsgeschäft. Allerdings werde hier nur für NATO-Kunden produziert, kündigte Mertin an.
Umsatzplus im vierten Quartal
Das Betriebsergebnis (EBIT) belief sich im abgeschlossenen Wirtschaftsjahr auf 65,6 Mio. Euro – um 76,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Allerdings profitierte das Technologieunternehmen im Jahr zuvor vom Verkauf des koreanischen Werkes in Ansan. Der freie operative Cashflow verbesserte sich gegenüber der Vorjahresperiode um rund 725 Mio. Euro auf 235 Mio. Euro.
In den letzten drei Monaten des Wirtschaftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz um 21,3 Prozent auf 476,7 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) brach zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 67,6 Prozent auf 121,2 Mio. Euro ein. Unterm Strich stand im vierten Quartal jedoch ein Gewinn von 13,7 Mio. Euro, nach 185 Mio. Euro ein Jahr zuvor.
Hohe Kosteneinsparungen
Insgesamt konnte AT&S im abgelaufenen Wirtschaftsjahr die Kostenbasis um 170 Mio. Euro senken und übertraf damit nach Unternehmensangaben die Zielsetzung signifikant. Bereits im Jahr zuvor konnten die Kosten um 120 Mio. Euro gesenkt werden. Im laufenden Jahr ist eine weitere Kostensenkung um 110 Mio. Euro geplant. Die AT&S-Vorstände verwiesen auf eine höhere Effizienz. Zudem setze man auf einen gemeinsamen Einkauf. Und mehr als 200 Projekte in verschiedenen Bereichen trugen wesentlich zu den Einsparungen bei oder sollen sich heuer positiv auswirken.
Der Vorstand wird aber auch heuer vorschlagen, keine Dividende auszuschütten. Zuerst müsse die Kapitalbasis gestärkt werden. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, dass eine Wandelschuldverschreibung oder eine Hybridanleihe mit einem Volumen von bis zu 500 Mio. Euro angedacht sei. Damit könnte eine Hybrid-Anleihe für 350 Mio. Euro refinanziert werden, sagte Steer.
Dass sich der Aktienkurs innerhalb von zwölf Monaten rund verzehnfacht hat, führt Mertin – seit 1. Mai des Vorjahres CEO – auf die neue Strategie des Unternehmens zurück. Zudem spiele Vertrauen eine große Rolle: „Wer mich kennt, weiß: Ich werde nichts versprechen, was ich nicht halten kann.“
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